Konfidenz-Programm

Für einige Anleger ist ihre Vermögensanlage gelegentlich eine Quelle der Verunsicherung. Verunsicherung kann belastend sein und im schlimmsten Fall zu falschen Entscheidungen führen. Dies lässt sich jedoch in den allermeisten Fällen vermeiden. Verunsicherung hat eine Ursache und es gibt eine einfache Lösung, sie zu eliminieren.

Im Folgenden erläutern wir:

  1. die wissenschaftliche Hintergründe des Konfidenz-Programms
  2. die intellektuelle Herausforderung, vor der jeder Anleger steht
  3. die Mechanismen hinter dem Konfidenz-Programm
  4. das Konfidenz-Programm selbst

Es wird Sie vielleicht überraschen: Zum Ende dieser wissenschaftlichen Erläuterungen finden Sie mit dem Konfidenz-Programm keinen komplexen, sondern einen einfachen Weg, Ihr Anlageverhalten zu optimieren.

1. Hirnforschung und Verhaltensforschung

Folgende Sachverhalte sind für unser Verhalten als Anleger relevant. Aus der Hirnforschung (Neuro- und Kognitionswissenschaften) und der Verhaltensforschung (Psychologie und Behavioral Finance) wissen wir:

  • Das menschliche Gehirn besteht aus verschiedenen Bereichen. Diese haben unterschiedliche Funktionen und arbeiten zusammen.
  • Unsere Emotionen sind im sogenannten limbischen System angesiedelt.
  • Unser Verstand, das rationale Denken und das Planen für die Zukunft sitzt in einem anderen Bereich, dem präfrontalen Cortex (Stirnlappen).
  • Sensorische Impulse, wie sie beim Lesen und Zuhören entstehen, erreichen zuerst unser limbisches System (Emotionen) und erst später den Cortex (Verstand).
  • Wenn wir Informationen verarbeiten, entstehen bereits Emotionen, bevor wir überhaupt mit dem rationalen Denken angefangen haben.
  • Unsere Emotionen lenken unseren Verstand viel stärker als unser Verstand unsere Emotionen lenken kann.
  • Entscheidungen finden in unserem Kurzzeitgedächtnis – einer Art Arbeitsspeicher unseres Gehirns – statt. Entscheidungen, bei denen viele Faktoren berücksichtigt werden müssen, überfordern unser Kurzzeitgedächtnis. Infolgedessen übernehmen Emotionen die Entscheidung.
  • Unser Handeln wird durch unsere Motivation getrieben. Hierbei spielt unser inneres Belohnungssystem eine wichtige Rolle. Bei positiven Erfahrungen schüttet unser Belohnungssystem biochemische Botenstoffe – vor allem Dopamin – aus.
  • Durch die Ausschüttung von biochemischen Belohnungen “lernt” unser Gehirn, was es tun muss, um erneut diese Belohnung zu erhalten. So wird belohntes Verhalten wiederholt. Es kann aber auch zu einem überdrehten oder sogar aufgepuschten Verhalten führen, das zu extremen, übertriebenen Entscheidungen führt – im negativen wie positiven Sinne.
  • Finanzielle Entscheidungen werden meistens als rationale Entscheidungen eingestuft. Die klassische Ökonomie spricht gar vom “Homo oeconomicus”. In Wirklichkeit werden sie primär von den zwei Bereichen im Gehirn gesteuert, die für die Emotionen “Gier” und “Angst” zuständig sind.
  • Menschen werten Verlust deutlich stärker als Gewinn.
  • Menschen werten realisierte kurzfristige Ereignisse stärker als mögliche langfristige Ereignisse.
  • Die unterschiedliche Bewertung von Gewinn versus Verlust sowie der Kurz- versus Langfrist führt oft zu Entscheidungen, die rational betrachtet dem Interesse des Entscheiders entgegenstehen.
  • Menschen können lernen.
  • Menschen lernen bevorzugt und effektiver durch einfache spielerische Tätigkeit, als durch komplexe theoretische Überlegung.
  • Menschen lernen am besten, wenn sie das Gelernte direkt - ohne Verzögerung - anwenden können.

Für praktische Zwecke ist folgende Darstellung aus der Verhaltenspsychologie zielführend:

  • Unser Handeln wird von zwei Systemen gelenkt.
  • System 1 arbeitet automatisch, schnell und unbewusst.
  • System 2 arbeitet angestrengt, langsam und bewusst.
  • Die meisten Menschen möchten glauben, dass System 2 unser Handeln bestimmt.
  • In Wirklichkeit ist System 1 das dominante System.

2. Die intellektuelle Herausforderung, vor der jeder Anleger steht

Das Führen einer Vermögensanlage ist objektiv betrachtet eine anspruchsvolle Herausforderung. Es ist sehr leicht, im Laufe der Zeit falsche Entscheidungen zu treffen. Lesen Sie im Folgenden, warum dies so ist.

Eine Vermögensanlage erfolgt mit einem Ziel:

  • Der Anleger muss sich des Ziels nicht unbedingt bewusst sein.
  • Spätestens wenn erste Anlageergebnisse realisiert werden, zeigt sich, dass ein Anleger immer ein Ziel hat, implizit oder explizit.
  • Damit eine Vermögensanlage sinnvoll ausgerichtet werden kann, sollte sie auf das Ziel des Anlegers ausgerichtet sein.
  • Das Ziel liegt in der Zukunft, typischerweise weit entfernt in der Zukunft.

Wenn ein Anleger eine Vermögensanlage besitzt, stellt er sich regelmäßig eine bestimmte Frage, bewusst oder unbewusst. Die Antwort kennt nur er selbst – auch sein Vermögensverwalter kann im die Entscheidung nicht abnehmen. Diese wichtigste Frage in der Vermögensanlage lautet:

Will ich meine Vermögensanlage fortführen?

Die Frage ist objektiv für jeden Anleger sehr schwer zu beantworten. Hierfür gibt es vier Gründe:

  1. Die Frage ist komplex und eine objektive Antwort erfordert komplexe finanzmathematische Berechnungen.
  2. Die Antwort bietet keine Garantie, sondern statistische Aussagen.
  3. Die Aufmerksamkeit des Anlegers wird kontinuierlich in die falsche Richtung gelenkt.
  4. Die Risikobereitschaft eines Anlegers kann sich im Laufe der Zeit verändern.

1. Mathematische Komplexität

Die Frage “Will ich die Vermögensanlage fortführen?” lässt sich objektiv beantworten. Hierfür muss die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, nach welcher das Ziel des Anlegers aus heutiger Sicht erreicht wird. Die Berechnung erfordert komplexe Finanzmathematik und entsprechende Software, die dem Anleger typischerweise nicht zur Verfügung stehen. Die mathematische Modellierung des Finanzmarktes und der Entwicklung von Vermögensanlagen ist anspruchsvoll und komplex.

In vielen Fällen machen sich Finanztheoretiker und Finanzpraktiker das Leben leichter, indem sie bei ihrer Modellierung zwei Annahmen treffen:

  1. Sie nehmen an, dass die Anlageergebnisse in der Zeit statistisch unabhängig sind. Mit anderen Worten, sie unterstellen, dass die bisherige Entwicklung einer Vermögensanlage nichts über die künftige Entwicklung aussagt. Sie unterstellen, dass die künftige Entwicklung der Anlageergebnisse völlig unabhängig von den bisherigen Ergebnissen ist.
  2. Zusätzlich unterstellen sie, dass die Verteilung der Anlageergebnisse einer sogenannten Normalverteilung (Gauss-Glocke) entspricht.

Dies hat den Vorteil, dass die Berechnungen der Wahrscheinlichkeiten der Anlageergebnisse in der Zukunft mathematisch relativ leicht durchführbar sind.

Es gibt jedoch auch einen Nachteil: Diese Annahmen sind zu einfach. Für die Berechnung der Anlageergebnisse in der ganz nahen Zukunft, sind diese Annahmen durchaus vertretbar. Bei Prognosen zur ferneren Zukunft führen diese Annahmen zu falschen Ergebnissen.

Bessere Berechnungen entstehen, wenn komplexere Annahmen getroffen und infolgedessen komplexere mathematischen Berechnungen durchgeführt werden.

2. Statistische Aussagen

Auch wenn die mathematischen Berechnungen mit einer hohen Qualität durchgeführt werden, bleiben die Resultate für viele Anleger schwer nachvollziehbar. Denn die Antwort enthält keine absolute Sicherheit, sie enthält per Definition keine Garantie.

Stattdessen präsentiert die Antwort eine statistische Verteilung der Wahrscheinlichkeiten für unterschiedliche Anlageergebnisse. Diese statistische Form hat einen höheren Realitätswert als eine einfache Antwort, ist aber intuitiv nicht leicht zu verstehen.

3. Aufmerksamkeit

Es ist selbstverständlich, dass ein Anleger wissen möchte, wie sich seine Vermögensanlage entwickelt hat. Die Sicht auf realisierte Anlageergebnisse ist angenehm konkret. Die Anlageergebnisse bedürfen keiner Interpretation, sondern sprechen für sich.

Dabei stellen die Anlageergebnisse eine Sicht auf die kurzfristige Vergangenheit dar. Leider betonen die meisten Anleger die Sicht auf die konkrete jüngste Vergangenheit viel zu stark, wenn sie sich – bewusst oder unbewusst – die Frage stellen, welche Entwicklung ihre Anlageergebnisse in weiter Zukunft nehmen werden.

Nehmen wir an, ein Anleger hat einen längeren Anlagehorizont. In diesem Fall sind die jüngsten Ergebnisse der Vergangenheit - objektiv betrachtet - bei weitem nicht so bestimmend für die Anlageergebnisse in der Zukunft, wie die meisten Anleger emotional annehmen.

Dass ein Anleger sich die Anlageergebnisse der jüngsten Vergangenheit anschaut, ist richtig. Wenn der Anleger in der jüngsten Vergangenheit die Antwort für die ferne Zukunft sucht, wurde seine Aufmerksamkeit in die falsche Richtung gelenkt.

Es gibt ein berühmtes wissenschaftliches Beispiel aus dem Behavioral Finance:

Wenn langfristig orientierte Anleger die Verteilung der Gewinn- und Verlustchancen einer Anlagestrategie auf Sicht von einem Jahr betrachten, ist die Chance auf Verlust nur wenige Prozente niedriger als die Chance auf Gewinn. Deswegen neigt die große Mehrheit der Anleger bei einer Ein-Jahres-Betrachtung zu dem Wunsch, das Verlustpotenzial zu minimieren und entscheidet sich gegen die Anlagestrategie.

Wenn Anleger einen langfristigen Anlagehorizont haben – zum Beispiel 10 Jahre – , wiederholt sich die zuvor erwähnten Verteilung der Gewinn- und Verlustchancen über mehrere Jahre hinweg – 10 Jahre in diesem Beispiel. Da die Gewinnchance auf der Ein-Jahres-Basis ein paar Prozent höher ist als die Verlustchance, vergrößert sich die Gewinnchance bei 10-facher Wiederholung enorm, während die Verlustchance extrem sinkt. Zeigt man Anlegern die Chancen auf Gewinn und Verlust nach 10 Jahren, entscheidet sich die große Mehrheit für die Anlagestrategie.

Der Unterschied zwischen der Lang- und Kurzfristbetrachtung einer Anlagestrategie führt zu inhaltlich unterschiedlichen Entscheidungen, obwohl es sich um ein und dieselbe Anlagestrategie handelt.

4. Risikobereitschaft

Es ist für jeden Anleger – privat oder professionell – schwierig, seine Risikobereitschaft zu formulieren. Unsere Sprache und Gedankenwelt ist nicht besonders gut auf die Diskussion von Risiko ausgelegt. Doch selbst wenn ein Anleger seine Risikobereitschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt perfekt bestimmen könnte, gäbe es eine weitere Herausforderung.

Die Risikobereitschaft eines Anlegers verändert sich im Laufe der Zeit. Hierfür kann es viele Gründe geben, zum Beispiel:

  • Die finanzielle Situation eines Anlegers ändert sich, zum Beispiel durch eine Erbschaft oder den Wegfall eines Einkommens.
  • Die private Situation eines Anlegers ändert sich, zum Beispiel durch die Geburt eines Kindes oder durch Ehetrennung.
  • Das Sicherheitsbedürfnis eines Anlegers ändert sich, zum Beispiel durch historische Anlageergebnisse oder geopolitischen Wandel.

Somit ist es wichtig, die Ausrichtung der Vermögensanlage für die Zukunft regelmäßig mit der aktuellen Risikobereitschaft des Anlegers abzugleichen und gegebenenfalls anzupassen. Die entscheidenden Informationen hierzu können nicht aus der Vermögensanlage abgelesen werden. Nur der Anleger selbst ist sich seines Gemütszustandes bewusst, kann diesen mitteilen und in die Anlageentscheidung einbringen.

Konsequenz

Vor dem Hintergrund komplexer Mathematik, ausbleibender Garantien, fehlgelenkter Aufmerksamkeit und veränderlicher Risikobereitschaft ist es nachvollziehbar, dass die meisten Anleger weder in der Lage sind noch die Muße haben, diese komplexen Überlegungen selbst alleine anzustellen.

Wenn Anleger die Entscheidung dennoch alleine treffen, ist die Entscheidung in der Regel emotional und nicht faktisch gesteuert. Hierdurch nimmt die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen zu, was letztendlich zu einem niedrigeren Anlageerfolg führen kann.

3. Die Mechanismen hinter dem Konfidenz-Programm

Da wir unsere Emotionen nicht ausschalten können, liegt der Weg zu besseren Entscheidungen nicht im Ignorieren unserer Emotionen – das ist schlichtweg unmöglich. Stattdessen erkennt das Konfidenz-Programm der Deutschen Wertpapiertreuhand unsere Emotionen an und macht sie sichtbar. Der Mandant ermittelt seine Zuversicht (emotionale Konfidenz), indem er folgende Frage beantwortet:

Wie zuversichtlich bin ich im Moment, dass ich zum Ende meines Anlagehorizonts mein Anlageziel erreichen werde?

Ganz wichtig: Die Antwort auf diese Frage ist per Definition richtig, denn es zählt nur, was der Mandant zu diesem Zeitpunkt fühlt.

Durch eine solche Dokumentation treffen wir aber noch keine besseren Entscheidungen. Daher stellen wir eine zweite Information neben die Emotion: die rationale Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung (rationale Konfidenz). Hier beantwortet das finanzmathematische System für Vermögensplanung der Deutschen Wertpapiertreuhand folgende Frage:

Wie wahrscheinlich ist aus heutiger Sicht, dass der Mandant zum Ende seines Anlagehorizonts sein Anlageziel erreichen wird?

Beide Informationen – die emotionale Konfidenz und die rationale Konfidenz – werden laufend erfasst. Die Ergebnisse stellen wir im Zusammenhang dar. Obwohl die emotionale und die rationale Konfidenz zum gleichen Zeitpunkt meistens nicht den gleichen Wert haben, sind beide richtig und wichtig. Sie sagen lediglich Unterschiedliches aus.

Da beide Informationen nebeneinander dokumentiert werden, erhält der Anleger ein Verständnis dafür, inwieweit sich sein emotionales Empfinden von der rationalen Betrachtung unterscheidet.

Durch regelmäßige Mitteilung ihrer emotionalen Konfidenz und den nachfolgenden Vergleich mit der rationalen Konfidenz bewegt sich die emotionale Konfidenz der meisten Mandanten schrittweise in den Bereich der rationalen Konfidenz.

Hierdurch setzt bei den meisten Menschen schrittweise eine Entspannung und eine realistischere Zuversicht in ihre Vermögensanlage ein.

Natürlich können und werden zwischenzeitlich immer wieder größere Emotionen auftreten. Doch sobald Mandanten erkennen, dass sich die objektive Erfolgswahrscheinlichkeit viel stabiler entwickelt hat als ihre Emotionen, werden sie dadurch unweigerlich beeinflusst. Ohne Mühe messen sie der rationalen Erfolgswahrscheinlichkeit bald größere Bedeutung bei.

So bleiben Emotionen zwar vorhanden, Fakten erhalten für Entscheidungen aber schrittweise größere Relevanz. Hierdurch treffen Mandanten die besseren Anlageentscheidungen. Und sie sind entspannter.

4. Das Konfidenz-Programm

Laden Sie die App der Deutschen Wertpapiertreuhand herunter, um am Konfidenz-Programm teilzunehmen.

Das Konfidenz-Programm hat zum Ziel, Mandanten eine realistische Zuversicht in Ihre Vermögensanlage zu ermöglichen. Es vergleicht die emotionale Konfidenz (Zuversicht) mit der rationalen Konfidenz (finanzmathematische Wahrscheinlichkeit).

Das Konfidenz-Programm funktioniert sehr einfach. Unter Ihrem Anlageziel befindet sich ein Schieberegler. Tun Sie Folgendes:

  • Schieben Sie den Regler auf den Punkt, der Ihre aktuelle Meinung widerspiegelt.

Das ist alles. Mehr müssen Sie nicht tun. Anschließend zeigt Ihnen das System in unserer App den historischen Verlauf folgender drei Informationen:

  1. Ihre Meinung
  2. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr definiertes Anlageziel erreichen
  3. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Gewinn - keinen Verlust - machen

Bitte beachten Sie, dass die letzten zwei Informationen - rationale Konfidenz - derzeit noch nicht angezeigt werden. Dieses Feature folgt in Kürze.

Wenn Sie eine Betreuungsart mit Berater (Digital + Advisor) gewählt haben, ist es sinnvoll, die Entwicklung Ihrer Zuversicht in Betreuungsgesprächen mit Ihrem Vermögensverwalter zu diskutieren. So schöpfen sie maximalen Nutzen aus dem Konfidenz-Programm.


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