Baustelle Ruhestand

Neue Daten

Zurzeit stehen die Themen Ruhestand und Alterssicherung wieder im Zentrum gesellschaftlicher Debatten. Zwei neue Studien lieferten hierzu aktuelle Zahlen und gaben Einblick in die Lebensrealität von Rentnern in Deutschland. Gleichzeitig präsentierten sie aber auch Prognosen, um zukünftige Rentnergenerationen genauer zu definieren.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) etwa veröffentlichte kürzlich Daten des Statistischen Bundesamts zur Erwerbstätigkeit von Rentnern in der Bundesrepublik. Eine weitere Studie des RWI in Essen beschäftige sich mit der Lebenserwartung von Rentnern in Deutschland.

Entspannter Lebensabend?

In den letzten 18 Jahren ist offenbar der Anteil der Rentner in Deutschland, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, gestiegen. Dies teilte das Bundesarbeitsministerium im August 2019 mit und berief sich damit auf neueste Untersuchungen des Statistischen Bundesamts. Während im Jahr 2000 drei Prozent der Rentner auch nach Renteneintritt weiter arbeiteten, so waren es 2018 ganze acht Prozent. Welche Gründe gibt es für diese Entwicklung? Das BMAS bleibt indifferent und nennt Arbeits- und Kontaktfreude als mögliche Beweggründe. Auch gäbe es einige Rentner, die aus finanziellen Gründen erwerbstätig bleiben.

Sicherlich hat sich die Lebensrealität von Senioren in den letzten zwanzig Jahren geändert: Sie sind auch in hohem Alter aktiv und wünschen sich rege Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Viele Rentner beziehen jedoch eine vergleichsweise geringe Rente – vor allem Frauen. Ihr monatliches Einkommen reicht mitunter nicht zum Leben, sodass sie zur Erwerbstätigkeit gezwungen sind. Dies lassen auch die Ergebnisse der Studie vermuten: Etwa die Hälfte der erwerbstätigen Rentner erledigt Minijobs, bei denen das Gehalt die monatliche Grenze von 450 Euro nicht übersteigt. Ein weiteres Viertel wiederum arbeitet selbständig bzw. sozialversicherungspflichtig.

Lebenserwartungen

Diese Studienresultate korrespondieren mit einer weiteren Erhebung, die kürzlich vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung durchgeführt wurde. Hier beschäftigen sich die Forscher mit der Lebenserwartung von Rentnern abhängig von ihrer früheren Tätigkeit. Laut der Süddeutschen Zeitung, der die Ergebnisse exklusiv vorliegen, haben vor allem Geringverdiener in der Rente eine höhere Lebenserwartung. Bei Besserverdienern steigt hingegen die Sterblichkeit nach Renteneintritt. Laut dem RWI sind mehrere Faktoren für diesen Effekt verantwortlich.

Männer, die früher in Rente gehen – etwa mit 63 – können ihre Sterblichkeit laut der Studie im ersten Rentenjahr um bis zu drei Prozent verringern. Wer als Teil dieser speziellen Personengruppe einen körperlich anspruchsvollen Job mit geringer Bezahlung hinter sich lässt, reduziert seine Sterblichkeit im Vergleich noch einmal um 40 Prozent. Den positivsten Effekt habe der Renteneintritt hingegen für Arbeitslose, die so ein gesellschaftliches Stigma abschütteln. Wer sich demgegenüber ein Leben lang mit seiner Arbeit identifizierte und am Arbeitsplatz starke soziale Kontakte pflegte, muss im Durchschnitt mit einer höheren Sterblichkeit bei Rentenbeginn rechnen. Personen – Männer wie Frauen – die mehr als 30.000 Euro im Monat verdienten, leiden am Ende ihrer Karriere häufig unter dem Prestigeverlust. Bei diesen Menschen erhöht sich die Sterblichkeit bei einem Renteneintritt mit 65 um drei bis viereinhalb Prozent.

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