Banken in Deutschland: Eine Allianz gegen PayPal, Google und Apple?

Ein letztes Aufbäumen

Laut Informationen eines Insiders planen verschiedene deutsche Banken – darunter Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken – ein gemeinsames Vorgehen bei Online-Bezahlmöglichkeiten. Dies berichtet das Handelsblatt. Offenbar hoffen die Banken, so eine konkurrenzfähige Alternative zu US-amerikanischen und chinesischen Payment-Lösungen anbieten zu können.

Ob es sich hierbei um eine Fusion verschiedener Systeme oder lediglich um eine gezielte Koordination handelt, ließ das Handelsblatt offen. Die Banken selbst wollten sich hierzu nicht äußern. Bisher bieten deutsche Kreditinstitute einen bunten Blumenstrauß von Produkten an, die das Bezahlen im Internet erleichtern sollen. Hierzu zählen die Girocard (vormals EC-Karte), das Paydirekt-Angebot der Sparkassen sowie die Dienste Giropay und Kwitt, welche von Sparkassen, Volksbanken Raiffeisenbanken und einigen privaten Banken bereitgestellt werden.

Die Übermacht

Die bisherigen, zum Teil recht teuren, Einzelinitiativen hiesiger Banken konnten den US-Konkurrenten allerdings in der Vergangenheit kaum Paroli bieten. Als Online-Bezahldienst dominiert PayPal nach wie vor den Markt: PayPal ist seit Jahren etabliert und gilt als zuverlässig. Dem konnten die Deutsche Bank und die Sparkassen mit Paydirekt nichts entgegensetzen, trotz einem Budget in dreistelliger Millionenhöhe. Ein ähnliches Schicksal erlitt Giropay, ein weiterer PayPal-Klon. Vergleichsweise erfolgreich ist demgegenüber die P2P-App Kwitt mit mehr als einer Million registrierter Nutzer im Jahr 2018.

All diese Initiativen wirken im Vergleich zu den Tech-Giganten aus Übersee wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Neben PayPal drängen seit kurzem auch Google und Apple in den Payment-Markt, jeweils mit Diensten für bargeldloses Bezahlen. Seit Juni 2018 lässt sich mit Google Pay in Deutschland per Smartphone bezahlen, einen identischen Dienst für iPhones führte Apple mit Apple Pay im Winter 2018 ein. Im März 2019 kündigte Apple zudem eine eigene Kreditkarte an. Gleichzeitig drängen immer mehr Zahlungsdienste aus Fernost nach Deutschland, um primär in der Tourismusbranche genutzt zu werden.

Gemeinsame Strategie?

Die großen US-Techfirmen sind seit Jahren im Markt etabliert und haben eine treue Anhängerschaft. Ihre Kunden vertrauen auf das technische Know-How und sind daher eher geneigt, die Zahlungsdienste der Global-Player zu nutzen. Das deutsche Bankenwesen genießt in der Bevölkerung kein derart hohes Ansehen und zeichnet sich durch ein eher dröges Image aus. Weshalb sollten sich Kunden also für ein unsicheres Nischenprodukt entscheiden, wenn sie zu Apple, Google und PayPal wechseln können? Allein mit Budget und Marketing lässt sich das Problem aus Sicht deutscher Banken nicht lösen. Sie müssen größere, geordnete, koordinierte Strukturen entwickeln, um im Payment-Markt bestehen zu können. Die jetzigen Pläne sind ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Zunächst wäre es wichtig, dem deutschen Flickenwerk an Payment-Services Herr zu werden und eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Dies scheint mit den neuen Plänen realistischer als jemals zuvor. Dennoch ist weiterhin unklar, wie die Kooperation konkret aussehen soll. Fusionieren die verschiedenen Services zu einem gemeinsamen Dienst oder bleibt die Zersplitterung? Sicherlich wäre es aus Sicht der Banken klüger, ein gemeinsames Produkt zu vermarkten und geschlossen aufzutreten. Eine entsprechende Marktmacht ließe sich so durchaus aufbauen. Projekte wie Paydirekt und Giropay könnten also eine Renaissance erleben – oder aber endgültig zum Millionengrab werden.

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