Warum können Banken keine Kosten sparen?

In seiner Jahrespressekonferenz drängt Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die Banken zur Senkung ihrer Kosten. Seit der Finanzkrise seien die Kosten der Banken nicht um ein Jota gesunken, sondern gestiegen. Warum bekommen die Banken ihre Kosten nicht in den Griff?

Bei den Sparanstrengungen der Banken vermisst Felix Hufeld den gebotenen Rums, den wir in diesem Kontext in Deutschland einfach brauchen. Die BaFin hat eine spezielle Abteilung gegründet, um kriselnde Banken besonders intensiv zu beaufsichtigen. Raimund Röseler, Exekutivdirektor der BaFin, sagte: Es sind Banken auf der Intensivstation.

Noch vor zwei Jahrzehnten waren die deutschen Banken in guter finanzieller Verfassung. Warum haben sie es in den letzten zehn Jahren nicht geschafft, ihre Kosten zu senken? Hierfür gibt es meines Erachtens drei Gründe.

Geschäftsstrategie

Der erste Grund liegt in der Geschäftsstrategie der meisten Banken. In den 80er und 90er Jahren haben sie es in einem margenträchtigen Umfeld immer wieder geschafft, durch Ausweitung ihres Geschäftes mehr Umsatz zu generieren. Es ist immer leichter und angenehmer, sich auf Ertragssteigerung als auf Kostensenkung zu fokussieren. Solange die Erträge gesteigert werden konnten, wurde die Kostensenkung nicht als entscheidend gewertet und damit weniger konsequent verfolgt.

Regulierung

In Bezug auf die Regulierung sagt BaFin-Präsident Hufeld zurecht, dass eine Steigerung der Profitabilität nicht zulasten der Stabilität erkauft werden darf. Umgekehrt haben die Banken aber auch nicht unrecht, wenn sie das Argument bringen, dass die Regulierung alle Finanzinstitute mit erheblichen Zusatzkosten belastet. Diese Kosten beziehen sich unter anderem auf MiFID II, aber auch auf andere Regulierungsmaßnahmen und Gesetze, wie zum Beispiel die Veränderungen in der Geldwäscheprävention und dem Datenschutz. An dieser Stelle ist aber die Frage, ob die Maßnahmen berechtigt und richtig sind, irrelevant. Tatsache ist, dass die Maßnahmen innerhalb der Banken umgesetzt werden müssen. Die Folgen sind schwerwiegend. Alle Banken mussten sekundäre Prozesse zur Überwachung und Steuerung verändern oder neu einführen. Viele Banken mussten zusätzlich ihre primären Geschäftsprozesse neu gestalten. Diese Veränderungen lösen zusätzlichen massiven Aufwand im Bereich der Informationstechnologie aus.

Informationstechnologie

Im Jahr 2018 bezeichnete die damalige Vorständin, Chief Operating Officer und IT-Chefin der Deutschen Bank, Kim Hammond, die Deutsche Bank als most dysfunctional company, für die sie je gearbeitet hat. Nicht alle, aber viele Banken haben in der Vergangenheit davor zurückgeschreckt, den historischen Wildwuchs an Systemen, Abläufen, Strukturen und Entscheidungsprozessen radikal neu zu gestalten und damit zu verbessern. Durch die Versäumnisse der Vergangenheit sind sie heute in einer Position, in der eine radikale interne Neuausrichtung einem langwierigen, höchstkomplexen und extrem teuren Unterfangen mit äußerst unsicherem Ergebnis gleichen würde. Nicht jede Bank kann innerhalb weniger Jahre effektiver und gleichzeitig effizienter werden, ohne vorher signifikante Ergebniseinbrüche zu erleiden. Mit anderen Worten, manche Banken können sich eine radikale interne Fitnesskur nicht leisten. Leider ist in einigen Banken jede Veränderung, die weniger anspruchsvoll als radikal ist, schlichtweg nicht mehr ausreichend, um das Ruder herumzureißen.

Schlussfolgerung

Die aktuellen Probleme einiger Banken sind nicht von den heutigen Vorständen verursacht. Sie sind das Erbe, das die vorangegangenen Vorstandsgenerationen ihrem Nachwuchs überlassen haben. Die hier beschriebenen Probleme sind schwer zu lösen und werden kurzfristig nicht zu bedeutenden Kostensenkungen führen. Manche Banken haben deswegen mit dem Gedanken gespielt, nicht die bestehende Infrastruktur zu modernisieren, sondern eine neue auf einem Greenfield from scratch zu bauen. Einige Banken haben diese Strategie mit dem Stichwort neue Digitalbank auch öffentlich kommuniziert. Leider haben diese Banken ihre wichtigsten Projekte in diesem Bereich aufgrund ihrer schlechten finanziellen Entwicklung wieder absagen müssen. Diese strategischen Absagen sind ein Exponent und ein Symptom der schlechten Verfassung, in der sich einige Banken befinden. Sie können weder die bestehenden Systeme radikal erneuern, noch neue Systeme auf einem Greenfield bauen. Die einzige Option, die ihnen dann noch bliebe, ist der Kauf eines externen Finanzinstituts oder Fintechs, das über eine modern digitale Infrastruktur verfügt. Diese Organisation müsste jeweils für einzelne Geschäftsbereiche zum Nukleus ihrer Erneuerung gemacht werden.

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