Finanzinstrumente einfach erklärt

Anleihe

Betrachtet wird die Veränderung des Wertes einer Anleihe bei Erhöhung des allgemeinen Zinssatzes. In dem Beispiel betrachten wir eine Anleihe mit einer Laufzeit von 5 Jahren, die einen jährlichen Kupon von 1 % pro Jahr gibt. Der Kaufpreis der Anleihe liegt für gewöhnlich um die 100 % (Anleihenpreise werden in der Regel so angegeben). Bei einem allgemeinen Marktzins (man spricht auch von effektiver Rendite) von 0 % und den oben getroffenen Annahmen, ergibt sich für einen möglichen und fairen Kaufpreis folgende Rechnung: 100 % *1,01^5 = 105,10 %. Das heißt, jedes Jahr zahlt die Anleihe 1 % und nach 5 Jahren ist die Anleihe (sofern sie komplett zurück zahlt) 100 % Wert. In Zeiten höherer allgemeiner Marktzinsen wäre der Kaufpreis niedriger.

Wenn sich kurz nach dem Kauf der Anleihe der allgemeine Marktzins von 0 % auf 1 % erhöht, müssten neue Anleihen lukrativer werden und mit höheren Zinsen locken, damit sie der effektiven Rendite von 1 % entsprechen und gekauft werden. Das führt dazu, dass die alten weniger attraktiven Anleihen mit dem geringeren Kupon weniger kosten müssen, um auch auf eine effektive Rendite von 1 % zu kommen. Entsprechend kommt es zu einem Kursverlust der Anleihe. Das hat aber grundsätzlich nichts mit der Rückzahlung der Anleihe oder der Sicherheit der Anleihe im Allgemeinen zu tun. Fallende Zinsen führen natürlich zum gegenteiligen Effekt.

Je länger die Laufzeit einer Anleihe ist, desto sensibler reagiert sie auf Zinsänderung. Das liegt daran, dass man umso länger den alten und überdurchschnittlich schlechten oder guten Zins bekommt.

Termingeschäft

Ein Termingeschäft wird zwischen zwei Parteien abgeschlossen, wobei sich eine Partei dazu verpflichtet, der anderen Partei eine Ware (oder auch ein Finanzinstrument) zu einem Zeitpunkt in der Zukunft zu einem bestimmten Preis abzukaufen. Meist wird der aktuelle Preis der Ware als vereinbarter Preis genommen, korrigiert um mögliche Erträge oder Kosten (wie zum Beispiel Zinsen und Dividenden) auf der Käufer- und Verkäuferseite.

Sollte der Preis der Ware in der Zeit zwischen Vertragsabschluss und Vertragsende steigen, so gewinnt der Käufer den Preisanstieg, da er die Ware zum alten Preis kaufen und zum neuen Preis verkaufen kann. Bei einem Rückgang gewinnt der Verkäufer den Unterschied, da er die Ware zum neuen Preis erst einkaufen und dann zum alten Preis gleich wieder verkaufen kann. Diese Kontrakte sind extrem gut handelbar und werden oft verwendet, um eine Preisentwicklung nachzustellen oder um Positionen abzusichern.

Was ist der Bund Future?

Der Bund Future ist ein Termingeschäft, das fiktive Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einer Verzinsung von 6 % pro Jahr abbildet. Bei Geschäften mit diesem Future kann ein Marktteilnehmer sowohl als Käufer wie auch als Verkäufer auftreten. Verkäufer verpflichten sich, zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Staatsanleihe zu einem bestimmten Preis zu liefern und Käufer verpflichten sich, entsprechend zu kaufen. Wichtig ist in unserem Beispiel die Wertveränderung eines solchen Kontraktes und deren Grund. Wir nehmen also der Verständlichkeit halber an, diese fiktiven Anleihen würden in der Realität existieren.

Wie auch bei echten Anleihen steigt der Preis des Bund Futures bei einer Zinssenkung und fällt bei einer Zinserhöhung.

Wie kann man von Zinserhöhung profitieren?

Um von einer Zinserhöhung zu profitieren, müsste man selber der Zinszahler einer Anleihe sein, also bereits eine Anleihe herausgegeben haben, bevor die Zinserhöhung stattfindet. Das hat man im Normalfall nicht. Über den Bund Future – es gibt auch ein entsprechendes äquivalent für US-Anleihen – ist es dennoch möglich, auf die Verkäuferseite des Marktes zu kommen. Als Verkäufer eines Bund Futures profitiert man von einer Zinserhöhung und leidet bei einer Zinsminderung.

Beispiel

Ich verkaufe einen Bund Future zum Preis von 100 Euro, der mir vom Käufer in 3 Monaten zu zahlen ist. In diesen 3 Monaten ändert sich der Zins nach oben, der Bund Future fällt auf 99 Euro. Nach den 3 Monaten kaufe ich die entsprechende Anleihe für 99 Euro und verkaufe sie gemäß meines Terminkontraktes, dem Bund Future, für 100 Euro an den zum Kauf verpflichteten Käufer. Insgesamt habe ich also einen Gewinn von einem Euro gemacht.

Umgang in der Realität

Der für die Zukunft vereinbarte Preis ist im Normalfall der aktuelle Preis. Zu einer Lieferung kommt es im Normalfall nicht und die Terminkontrakte verändern ihren Wert jeden Tag und sind extrem gut handelbar. Es hat also den Charakter einer fairen, gut regulierten und äußerst zweckmäßigen Wette und wird zur Stabilisierung und Absicherung gegen Zinserhöhungen verwendet.

Wie wird dieses Instrument in den eingesetzten Fonds verwendet?

Die Anleihen in den Fonds weisen über die Laufzeiten alle eine gewisse Zinssensitivität auf. Dadurch kann berechnet werden, um welchen Wert das gesamte Portfolio sinken würde, wenn der allgemeine Zinssatz um X % erhöht werden würde. Welche Veränderung der Bund Future im Falle einer Zinsänderung um X % macht, lässt sich ebenfalls berechnen. Letztlich erhält man eine positive und eine negative Komponente, die es geschickt zu verrechnen gilt. Nach diesem Prinzip kann der Fonds sein eigenes Zinsrisiko steuern.

Der Begriff negative Duration, der in der Fachsprache verwendet wird, macht also eine Aussage über die positive oder negative Zinssensitivität des Portfolios bzw. einzelner Komponenten. Eine positive Duration führt bei Zinserhöhungen zu fallenden Kursen des Anleihenfonds oder der Anleihe. Eine negative Duration führt zu steigenden Kursen des Fonds oder des Finanzproduktes. Umgekehrtes gilt bei einer Zinssenkung.

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