BigFin und BigTech starten BigFinTech

Deutsche Fintechs führen ihre Finanzierungsrunden in Höhe von ein- oder zweistelligen Millionenbeträgen durch. Das ist viel Geld. Aber im Vergleich zu den großen Finanz- und Technologie-Unternehmen sind auch die größten Fintechs klein.

Eine strategische Wertung der Vermögensverwaltungsbranche kommt nicht ohne die Berücksichtigung der Finanztechnologie (Fintech) aus. Dabei spielen sich die Start-Up Fintechs derzeit noch in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – teilweise auch zu Recht. Denn obwohl sie nur einen minimalen Marktanteil besitzen, üben sie einen zunehmenden Einfluss auf das Verhalten vieler Anleger aus. Online-Vermögensverwaltung wird salonfähig und das ist größtenteils den Fintechs zu verdanken.

Wenn es um die Zukunft der Vermögensverwaltungsbranche geht, wird der mögliche künftige Einfluss der größten Finanz- und Technologie-Unternehmen meistens ausgeblendet. Apple, Google, Amazon und Facebook sind bereits sehr aktiv in Finanzdienstleistungen, insbesondere im Bereich des Zahlungsverkehrs und der Kreditvergabe.

Im Bereich der Vermögensverwaltung sind die globalen Banken, Asset Manager (BigFin) und Technologie-Unternehmen (BigTech) bisher eher The Elephants in the Room. Ihr potenzieller Einfluss ist entscheidend, doch sie werden ignoriert.

Spätestens seit BlackRock und Microsoft ihr Joint Venture zur Gründung einer Online-Plattform zur wertpapierbasierten Altersvorsorge in den USA bekannt gegeben haben, kann niemand mehr leugnen, dass sich BigTech und BigFin zusammentun könnten, um den Markt zu dominieren. Aus Theorie wird Realität. Neben Fintechs gibt es künftig auch BigFinTechs.

Die etablierten Player im Bereich Fintech wie Vanguard und Charles Schwab sind um Faktoren größer als die größten Start-Up Fintechs wie Wealthfront und Betterment. Man muss sich zusätzlich fragen, was passieren wird, wenn die größten Asset Manager und Banken in der Vermögensverwaltung mit den größten Technologie-Unternehmen zusammenarbeiten. Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

Für die hiesigen Vermögensverwalter und Banken ist es vorerst beruhigend, dass der deutsche Markt nicht der primäre Zielmarkt der Amerikaner sein wird. Zudem gibt es gute Gründe, warum Apple, Facebook, Google und Amazon nicht unbedingt mit ihren Kernmarken in die Vermögensverwaltung einsteigen würden. Gleichzeitig haben weder die Deutsche Bank und Commerzbank, noch die Sparkassen und Genossenschaftsbanken bisher eine beeindruckende Fintech-Strategie präsentiert.

Diese Marktruhe wird aber nicht ewig dauern. Denn, wenn BigFin und BigTech mit ihren BigFinTech Joint Ventures erfolgreich sein sollten, werden sie ihre Geschäftskonzepte exportieren. Lohnt sich das Geschäft, verfügen sie über ausreichend Ressourcen für einen globalen Markteintritt.

Eine gewisse Zeit bis zum Proof of Concept bleibt den hiesigen Marktteilnehmern noch. Aber die Uhr tickt.

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