Mittelschicht – Was ist das?

Ungenauigkeiten

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW Köln) aus dem Jahr 2017 befasste sich mit der Mittelschicht in Deutschland. Anhand von Definitionen und neusten Daten versuchte das IW, sich der deutschen Mittelschicht anzunähern. Ausgewertet wurden hierfür Daten aus den Jahren von 1991 bis 2014, vor allem mit Blick auf unterschiedliche Einkommensschichten.

Allerdings stellt das Institut der deutschen Wirtschaft fest, dass die Mittelschicht in der Bundesrepublik weiterhin schwer zu fassen ist: Forschungsergebnisse zu dieser Personengruppe widersprechen sich mitunter – außerdem gibt es für sie keine einheitliche Definition. Das IW beschränkte sich daher darauf, die deutsche Mittelschicht anhand ihres monatlichen Nettoeinkommens zu charakterisieren.

Eingrenzungen

Um die Mittelschicht in Deutschland zu systematisieren, wurde zunächst zwischen Single-Haushalten und Familienhaushalten unterschieden. Ein Alleinstehender mit einem Monatseinkommen zwischen 1.410Euro und 2.640 Euro netto gehört laut dem IW der Mittelschicht an. Bei einer Familie mit vier Personen liegt die Mittelschicht-Grenze bei einem monatlichen Nettoeinkommen zwischen 2.950 Euro und 5.540 Euro.

Anhand dieser Definition der Forscher lässt sich ausmachen, dass heute etwa jeder zweite Bundesbürger der Mittelschicht angehört. Es handelt sich damit um die Größte Bevölkerungsgruppe im Land. Außerdem scheint diese Verteilung von rund 50 Prozent der Bevölkerung seit Ende der 1990er Jahre recht konstant zu sein. Allein im Jahr 1997 gab es eine deutliche Abweichung: Damals gehörten rund 55 Prozent der Deutschen der Mittelschicht an. Seit den 2010er Jahren zählen zudem immer mehr Menschen zwischen 50 und 64 Jahren zur gehobenen Mittelschicht, während Personen bis 24 Jahre überdurchschnittlich oft unter erhöhtem Armutsrisiko leiden.

Welche Befunde?

Eine der zentralen Fragen der Untersuchung des IW war, wie sich die Mittelschicht in Deutschland in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Anhand der ausgewerteten Daten zeigte sich, dass die Mittelschicht in Deutschland seit der Wiedervereinigung wuchs. In den 1990er Jahren erreichte ihr Anteil den vorläufigen Höhepunkt und schrumpfte anschließend wieder. Seit dem Jahr 2005 gehören etwa 50 Prozent der Bevölkerung der Einkommens-Mittelschicht an.

Ein bedeutender Rückgang der Mittelschicht konnte also anhand der Studie nicht nachgewiesen werden. Demgegenüber halten die Forscher des IW die relative Stabilität der Mittelschicht für bemerkenswert. Denn trotz "der intensivierten globalen Arbeitsteilung und des damit einhergehenden zunehmenden Drucks auf gering­ qualifizierte Arbeitsverhältnisse" scheint es hier kaum Verfallserscheinungen gegeben zu haben.

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