Banking per Sprachbefehl: Bequem und undurchsichtig

Pilotprojekt

Wie vor einer Woche bekannt wurde, planen mehrere Sparkassen den Launch eines eigenen Banking-Sprachassistenten. Das Programm mit dem Namen Action soll als Smartphone-App erhältlich sein und mit Googles Sprach-Bot, dem Google Assistant, kompatibel sein. Kunden können damit ihren aktuellen Kontostand und eventuelle Transaktionen abfragen. Bisher wird die Anwendung im kleinen Rahmen getestet, soll aber in Zukunft von insgesamt 38 Sparkassen-Filialen angeboten werden.

Dieser Vorstoß der Sparkassen ins Mobile-Banking per Sprachassistent kommt überraschend – vor allem, da sich bestimmte Global Player erst kürzlich aus dem Geschäft zurückgezogen hatten. So hegte Amazon noch im Februar den Wunsch, seinen Sprach-Bot Alexa zu einem vollwertigen Banking-Tool zu machen: mit Zugriff aufs Konto und der Möglichkeit des Geldtransfers per Sprachbefehl. Nun verwarf Amazon aber diese Pläne bis auf Weiteres und berief sich dabei auf juristische Probleme mit der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD II. Amazon scheint mit seinem Voice-Banking hier auf deutliche Hürden gestoßen zu sein.

Kontrollverluste

Wo der Versand-Riese also abwartend Stellung bezieht, möchten nun die Sparkassen vorpreschen. Tatsächlich hatte man von seiten der Banken fest mit Amazons Engagement gerechnet. Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen und die Comdirect-Bank hatten bereits Anwendungen für Amazons Alexa entwickelt. Comdirect-Kunden konnten beispielsweise Aktien- und Währungskurse über den Sprachassistenten abfragen. Nach dem Ende des Amazon-Projekts ist es umso erstaunlicher, wie schnell die Sparkassen nun mit einer Alternative aufwarten konnten. Dabei begibt man sich in die Hände eines anderen globalen IT-Konzerns: Google.

Wer als Sparkassen-Kunde am Voice-Banking teilnehmen will, muss zwangsläufig sein Bankkonto mit Google verknüpfen. Was mit den eingegebenen Banking-Daten geschieht, bleibt dabei undurchsichtig. Nur soviel ist sicher: Google speichert alle Sprachdateien des Nutzers, auch in Bezug auf sensible Kontodaten. Der Vorgang ist für den Kunden zumindest fragwürdig, da er nicht genau weiß, wie Google mit diesen Informationen weiter verfährt. Durch die dauerhafte Verbindung mit dem Internet besteht sogar im schlimmsten Fall das Risiko, Opfer eines Hacking-Angriffes zu werden.

Risiken und Potentiale

Während die Bundesdatenschutzbeauftragte und die Verbraucherzentrale NRW vor eben diesen Risiken warnen, beteuern die Sparkassen, höchste Sicherheitsmaßnahmen implementiert zu haben. Dies überrascht nicht: Für Geldhäuser bietet das Banking per Sprachassistent ein neues attraktives Feature, um Kunden zu binden.

Aktuelle Studien zum Thema Conversational Commerce scheinen ihnen hier recht zu geben. Laut einer Umfrage des Unternehmensberaters Capgemini benutzen inzwischen 51 Prozent der Konsumenten Sprachassistenten – vor allem in ihren Smartphones. Fast ein Drittel (31 Prozent) der Befragten würde lieber einen Sprach-Bot verwenden, als eine Bankfiliale in der Nähe zu besuchen. Als Grund hierfür gaben rund 50 Prozent Bequemlichkeit an: Kunden möchten Bankgeschäfte vom heimischen Sofa aus erledigen, allein durch Sprache. Diesen neuen Trend wollen sich die Sparkassen mit ihrer Action-App zunutze machen. Ob Kunden für den Voice-Banking-Komfort auch auf die Hoheit über ihre Konto-Daten verzichten wollen, wird sich zeigen müssen. Volks- und Raiffeisenbanken immerhin wagen sich zurzeit nicht an eine eigene Voice-Banking-Lösung: Man habe noch zu viele offene Fragen bezüglich des Datenschutzes, hieß es vonseiten der Genossenschaftsbanken.

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