Genossenschaftsbanken – Wo bleibt der Kunde?

Gebühren – Und dann?

Wie der Genossenschaftsverband der Volks- und Raiffeisenbanken am Montag mitteilte, will man die Gebühren für Bankdienstleistungen 2018 erhöhen. Dies teilte Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbands, mit. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer "Anpassung der Gebührenpolitik", um der Individualisierung der Kundenbedürfnisse gerecht zu werden. Faktisch geht es jedoch um eine Gebührenerhöhung mit gleichzeitiger Ausdünnung des bestehenden Filialnetzes.

Als Grund für die Erhöhungen nennen die Genossenschaftsbanken die aktuelle Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Niedrigzins stellt dabei sowohl die Banken, als auch deren Kunden vor eine unangenehme Situation: Sparer können mit ihren Bankguthaben keinen Gewinn erzielen und werden zusätzlich durch die steigende Inflation belastet. Den Volks- und Raiffeisenbanken bringt die Situation zudem hohe Verluste. Im Jahr 2016 etwa entstand hier durch fehlende Zuflüsse ein Verlust von rund 80 Milliarden Euro. Nicht umsonst konstatierte der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), Jürgen Gros, bereits 2017: "Wir dürfen Draghis Geldpolitik und ihre weitreichenden Konsequenzen nicht verharmlosen. [...] Die Auswirkungen sind brutal."

Bekannte Reaktionen

Nun scheinen die Genossenschaftsbanken auf diese Marktsituation ähnlich zu reagieren wie im letzten Jahr bereits die Sparkassen. Einige Sparkassen-Filialen verlangten 2017 von ihren Kunden mitunter fragwürdige Zusatzgebühren für bestimmte Services. Erst nach öffentlicher Kritik ruderten die Sparkassen zurück. Im Falle einer Filiale in Freiburg verbot sogar der Bundesgerichtshof eine bestimmte Gebührenpraxis.

Ungeachtet dessen wollen nun aber offenbar auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken diesen Weg gehen. Dass die geplanten Maßnahmen weder kundenorientiert noch nachhaltig sind, scheint dabei weniger im Fokus zu stehen. Stattdessen versucht man, Verluste auf die Kunden abzuwälzen und Kosten zu reduzieren. Eine Studie aus dem letzten Jahr ermittelte etwa, dass kleinere Bankfilialen zwischen 25 und 30 Prozent ihrer Ausgaben senken müssten, um in Zeiten des Niedrigzins konkurrenzfähig zu bleiben. Das Resultat sind nun die neuen Gebührenmodelle und die geringere Filialdichte.

Alternativen

Es wird sich zeigen, ob die Rechnung der Volks- und Raiffeisenbanken aufgeht. Eine große Gruppe der Bestandskunden wird die höheren Gebühren sicherlich murrend hinnehmen: Zum einen, da ihnen ein Anbieterwechsel womöglich zu aufwendig ist. Zum anderen werden sich manche einen solchen Wechsel schlicht nicht leisten können.

Demgegenüber existieren vermutlich nicht wenige Kunden, die ihre Hausbank aufgrund der neuen Konditionen wechseln werden. Da sich der Konkurrenzkampf im Bankensektor in den letzten Jahren verschärft hat, gibt es für unzufriedene Kunden immer mehr Alternativen. So etwa Direktbanken und Fintechs, welche zwar keine Filialen vor Ort anbieten, dafür aber mit signifikant günstigeren Preismodellen werben. In Zeiten steigender digitaler Ansprüche und hoher Mobilität dürfte es Kunden daher zunehmend leichter fallen, die Bank zu wechseln. Ob der neue Kurs der Genossenschaftsbanken damit nachhaltig Probleme löst, bleibt fraglich.

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