Die Aufstiegschancen der Jüngeren

Neue Erkenntnisse

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beschäftigte sich mit der sogenannten "Intergenerationalen Einkommensmobilität": Diese gilt als Indikator für sozialen Aufstieg. Konkret ging es um die Frage, ob berufstätige Männer heute mehr verdienen als ihre Väter. Dazu wurden Daten von Personen ausgewertet, die zwischen 1955 und 1975 geboren wurden. Die betrachtete Personengruppe bestand ausschließlich aus westdeutschen Männern, da laut dem IW nur für diese Menschen genügend verwertbare Daten vorlagen. Das Leben der betrachteten Männer sei "weitestgehend frei von erwerbsbiographischen Brüchen, wie sie die Wiedervereinigung mit sich brachte".

Laut dem IW fiel die Untersuchung durchaus positiv aus: Fast zwei Drittel (63 Prozent) der betrachteten Männer erhalten heute ein höheres Realeinkommen als ihre Väter im selben Lebensabschnitt. Betrachtet man die einzelnen Einkommensklassen, werden die Unterschiede zwischen den Generationen sogar noch deutlicher. Für die Studie wurden hierzu vier Einkommens-Quartile gebildet, bei denen die Aufstiegsquoten recht unterschiedlich ausfielen. Im untersten Quartil etwa erhalten 90 Prozent der Männer ein höheres Gehalt als ihre Väter. Im obersten Quartil können dies nur knapp 30 Prozent behaupten.

Relativierungen

Die sogenannte "Relative Einkommensmobilität" gibt hingegen an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines gesellschaftlichen Aufstiegs ist. Ein Junge, der in die Einkommensklasse des unteren Quartils geboren wurde, hat demnach eine 60-prozentige Chance, als Erwerbstätiger ein höheres Quartil zu erreichen. Diese Aufstiegschancen sind im oberen Quartil nicht gegeben: Hier schaffen es im besten Fall 46 Prozent, den Lebensstandard ihrer Eltern zu halten. Ganze 54 Prozent hingegen verdienen heute weniger als die Vorgängergeneration im selben Lebensabschnitt.

Die Forscher errechneten zudem einen Elastizitätskoeffizienten der Gehälter. Dieser Koeffizient illustriert den Zusammenhang zwischen den Einkommen von Vater und Sohn. Je höher die Zahl des Koeffizienten, desto stärker sind beide Einkommen voneinander beeinflusst. Für Deutschland ergibt sich hier ein Wert von 0,319 Prozent. Verglichen mit Norwegen (0,17) oder Dänemark (0,15) ist die Zahl recht hoch: Der Einkommensstatus eines westdeutschen Sohnes ist also deutlich stärker mit dem seines Vaters verknüpft, als dies in Skandinavien der Fall ist. Allerdings scheint man in Deutschland von der Vorgängergeneration weniger abhängig als beispielsweise in Frankreich (0,41), den USA (0,47) oder in Großbritannien (0,5).

Welche Aussagekraft?

Auf die Studie des IW reagierten aber auch einige kritische Stimmen. So wurde das Erhebungsverfahren ebenso infrage gestellt wie die abgeleiteten Ergebnisse. Kritiker merkten an, dass ein höheres Gehalt nicht der einzige Indikator für sozialen Aufstieg sei. Gesellschaftliche Veränderungen würden von der Studie ebensowenig berücksichtigt wie die gestiegenen Lebensstandards jüngerer Generationen.

Hier zeigt sich: Die Lebensrealität der Deutschen ist weitaus komplexer, als in der Erhebung dargestellt. Ein Statuswechsel vollzieht sich nämlich nicht im luftleeren Raum, sondern ist stets eingebettet in sozio-kulturelle Rahmenbedingungen. Diese allerdings wurden in der Studie ausgeblendet. Des Weiteren bleibt ungeklärt, auf welchen Faktoren die Gehaltssprünge der jüngeren Generation beruhen. Sind die Einkommenszuwächse der Jüngeren ein Resultat strukturell-bedingter, günstiger Umstände? Oder ist allein der unbedingte Aufstiegswille entscheidend? Da sich die Erhebung lediglich auf die Jahrgänge 1955 bis 1975 bezieht, bleiben zudem neuere Entwicklungen im Bereich der Einkommensmobilität außen vor.

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