Erben und Vermögensaufbau

Hohe Summen

Das Erbvolumen in Deutschland steigt konstant und gewinnt damit immer mehr an Relevanz. Laut einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem vergangenen Jahr nehmen Erbschaften inzwischen einen wichtigen Platz beim Vermögensaufbau ein. Vier von zehn Bundesbürgern planen etwa, mindestens 100.000 Euro zu vererben. Bei einem Fünftel der Befragten sollen es sogar 250.000 Euro sein.

Die Erbdichte ist dabei deutschlandweit sehr hoch, schwankt allerdings leicht von Bundesland zu Bundesland. Am häufigsten planen laut YouGov die Baden-Württemberger, Geld oder Sachwerte zu vererben (55 Prozent). Die wenigsten Erb-Vorhaben gibt es hingegen in Sachsen (40 Prozent). Im Bundesdurchschnitt will jeder Zweite seinen Besitz weitergeben.

Steigende Relevanz

Die steigende Bedeutung des Erbvolumens für den Vermögensaufbau der Begünstigten betonte im Jahr 2015 auch eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die FES kam zu dem Schluss, dass "in allen Wohl­standsgesellschaften die Bedeutung von Erbschaf­ten und Schenkungen für den Vermögensaufbau der Haushalte stetig zunimmt". Mit Blick auf die seit Jahren wachsenden Erbschaftssummen verwundert diese Einschätzung nicht. Laut Analysen des Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Piketty wuchs die Erbmasse im Zeitraum von 1961 bis 2009 in Deutschland rasant an – von 1,5 Prozent des nationalen Einkommens auf rund 11 Prozent in weniger als 50 Jahren.

Anhand der YouGov-Studie zeigt sich zudem, dass in letzter Zeit besonders der Anteil an übertragenen Immobilien zunahm. Aktuell enthält rund jede dritte Erbschaft in Deutschland (34 Prozent) diesen Vermögenswert. Die Anzahl könnte in Zukunft noch steigen: Jeder zweite Vererbende geht davon aus, dass sich Immobilien in seiner Erbmasse befinden werden. Eine solche Bilanz deckt sich zudem mit der Meinung der Deutschen, Immobilien seien eine besonders sichere Anlage für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge. Ganze 58 Prozent der Bundesbürger teilen diese Ansicht (Weiterlesen /2018/01/30/immobilien-und-altersvorsorge/).

Konsequenzen

Die zunehmend wichtige Rolle, welche Erbschaften für den Vermögensaufbau spielen, kann aber auch eine Schattenseite haben. Darauf immerhin weist die Friedrich-Ebert-Stiftung in ihrer Studie hin. Durch hohe Erbschaften und Schenkungen entstehe ein wachsendes Ungleichgewicht der Vermögensverhältnisse in der Bundesrepublik. Anhand des Gini-Koeffizient identifizierte die FES Erbschaften und Schenkungen sogar als größten Faktor für Vermögensungleichheit in Deutschland.

Dass Erben und Vererben dabei aber häufig mehr ist als die Umschichtung von Kapital, wird in dieser Darstellung jedoch ausgeblendet. Das erwirtschaftete Vermögen stellt in der Regel die finanzielle Bilanz eines ganzen Erwerbslebens dar. Es ist eine Absicherung für die eigene Existenz und die Zukunft der Kinder und Enkel. Dass die Erbschaften heute tendenziell größer ausfallen, dürfte vorrangig dem positiven Wirtschaften der älteren Generationen zu verdanken sein. Es ist ihr gutes Recht, dieses erarbeitete Geld an die Jüngeren weiterzugeben. Hier geht es dann vorrangig um die Geste, um den Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit über Generationen hinweg. Die individuelle Größe der Erbschaft dürfte in diesem Kontext eher zweitrangig sein.

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