Was wird aus der gesetzlichen Rente?

Die Verhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD zu einer erneuten Großen Koalition sind beendet – ob es aber wirklich zur Regierungsbildung kommt, wird sich im Rahmen des kommenden SPD-Mitgliederentscheids zeigen.

Zukunftsfähig?

Welchen politischen Kurs die zukünftigen Koalitionäre in einer kommenden schwarz-roten Regierung einschlagen könnten, zeigte sich indes bereits anhand des veröffentlichten Koalitionspapiers. Im Bereich der Rente plant die GroKo beispielsweise milliardenschwere Mehrausgaben: Dies wurde von einigen Stellen begrüßt, von vielen Experten aber auch als nicht-nachhaltig kritisiert (Weiterlesen). So wurde den GroKo-Parteien vorgeworfen, in Bezug auf die Rente nicht vorausschauend zu planen. Tatsächlich ist das aktuelle Rentensystem in seiner jetzigen Form nicht zukunftsfähig und wird – aufgrund des demografischen Wandels – ohne Reform in absehbarer Zeit kippen.

Was wäre also zu tun? Welche Möglichkeiten gibt es, den Verfall des Rentensystems zu stoppen? Ein Lösungsansatz, der in den letzten Tagen immer wieder zur Sprache kam, ist die sogenannte Deutschlandrente nach dem Vorbild skandinavischer Länder. Wie genau sieht diese Rente aus? Und ist sie in Deutschland überhaupt umsetzbar?

Die Rente in Schweden

Als Paradebeispiel wird hier gerne die Rentenstruktur Schwedens herangezogen. Die Altersvorsorge in Schweden ist dabei dreigeteilt und enthält zunächst die Betriebliche Rente ebenso wie die Private Vorsorge. Diese beiden Vorsorgearten sind auch aus Deutschland bekannt. Gravierende Unterschiede gibt es aber bei der sogenannten Dritten Säule: In Schweden ist sie zweigeteilt und besteht aus der fondsbasierten Prämienrente und der umlagefinanzierten Einkommensrente. Alle schwedischen Arbeitnehmer – auch Beamte und Selbständige – zahlen in diese beiden Rentenkassen ein. Für die Einkommensrente werden 16 Prozent des Monatsgehalts fällig, für die Prämienrente zusätzlich 2,5 Prozent. Rund 10 Prozent der Quote werden allerdings vom Arbeitgeber gedeckt. Das Geld der Einkommensrente wandert auf ein virtuelles Konto, dessen Guthaben dem Angestellten zu Beginn seines Ruhestandes ausgezahlt wird. Während seiner Erwerbszeit nutzt man den Betrag hingegen, um laufende Renten zu finanzieren. Die Verzinsung des Kontos orientiert sich an der Reallohnentwicklung.

Beim relativ neuen System der Prämienrente könnten sich die Versicherten für einen Fonds entscheiden, auf dem ihr Geld angelegt wird. Über 800 Fonds stehen hier zur Auswahl, zum Teil sind diese auch staatlich verwaltet. Im Laufe des Lebens kann jeder Schwede zudem die Risikoklasse seines Fonds-Mixes anpassen. Im Jahr 2015 wies der größte staatliche Fonds dieser Art, der AP7 Aktienfonds, ein Gesamtvolumen von rund 32,5 Milliarden Euro auf (231,5 Milliarden Schwedische Kronen). 2017 erzielte der Fonds einen Gewinn von rund 15 Prozent.

Eine Option für Deutschland?

Unter dem Schlagwort Deutschlandrente wurde dieses Fonds-System auch für die Bundesrepublik vorgeschlagen. Doch ist es aktuell eine Option? Das Konzept mag erprobt und nachhaltig sein, hat aber für Deutschland einen großen Nachteil: Es ist in der jetzigen Situation schwer umsetzbar. Unsere umlagebasierte Rentenversicherung lässt sich nicht ohne Weiteres in eine Prämienrente überführen. Mindestens eine Generation müsste hierfür doppelt zahlen: in die gesetzliche Rentenkasse zur finanziellen Absicherung der jetzigen Rentner und in den neuen Rentenfonds zur Finanzierung ihres eigenen Ruhestands.

Hinzu kommt eine generelle Kritik am Konzept der Prämienrente. Die Deutsche Rentenversicherung etwa kritisierte das Risiko eines potenziellen Wertverlustes, welches bei einer Fonds-Anlage naturgemäß immer gegeben ist.

Die Einführung einer sogenannten Deutschlandrente würde also einen großen Umbruch für unser Rentensystem bedeuten und mindestens eine Generation – womöglich sogar mehrere Generationen – deutlich benachteiligen. Politisch wie gesellschaftlich dürfte dies kaum tragbar sein. Sicher ist aber auch: Ein Umbruch im deutschen Rentensystem wird sich früher oder später vollziehen. Die Frage ist nur, wann und wie man reagiert. Je früher die Politik hier eingreift, desto weniger Verluste werden kommende Rentner-Generationen zu verkraften haben.

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