Geschäftsstrategien für kleinere Vermögensverwaltungen unter MiFID II

Mit dem Eintritt von MiFID II geben erste Vermögensverwalter ihre Lizenz zurück. Das ist schade, aber nachvollziehbar, denn MiFID II setzt sehr hohe Hürden für den Betrieb einer Vermögensverwaltung. Für den wirtschaftlichen Betrieb ist nicht nur die Effektivität, sondern auch die Effizienz der Betriebsorganisation entscheidend. Hierbei spielt die Größe des Unternehmens eine zentrale Rolle.

Ist eine Vermögensverwaltung zu klein, kann sie auf Dauer nicht die erforderliche Effizienz für ein nachhaltiges Geschäftsmodell erreichen. Die paradoxe Entwicklung, dass größere Vermögensverwaltungen künftig leichter individuell arbeiten können als kleinere, verschärft diese Notwendigkeit einer gewissen Größe zusätzlich. Bedeutet das, dass kleinere Vermögensverwalter keine Zukunft haben? Nein, ganz im Gegenteil.

In diesem Kontext meine ich mit kleineren Vermögensverwaltungen Häuser, die weniger als 200 Millionen Euro unter Verwaltung haben. Diese Häuser haben mindestens folgende vier Unternehmensstrategien zur Verfügung:

Fokus

Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten kleineren Vermögensverwalter in ihren Abläufen wenig digitalisiert. Für diese Häuser ist es wenig sinnvoll, einen hohen Digitalisierungsgrad anzustreben, denn die Kosten sind schwer zu amortisieren. Eine Gegenmaßnahme bestünde in der weitgehenden Fokussierung und Standardisierung des Geschäfts. Hierdurch werden manche Abläufe einfacher und in der Folge weniger aufwendig. Sollte dennoch eine hohe Digitalisierung angestrebt werden, könnten diese sich bei Bedarf leichter automatisieren lassen.

Die Fokussierung kann zum Beispiel erreicht werden, wenn der Vermögensverwalter weder Anlageberatung noch Execution-only Geschäft anbietet, sondern ausschließlich die Finanzportfolioverwaltung. Eine weitere Fokussierung besteht darin, als Vermögensverwalter nur wenige – zum Beispiel drei – standardisierte Anlagestrategien anzubieten. Hierdurch wird insbesondere die operative Umsetzung von Umschichtungen bedeutend effizienter. Ein zusätzlicher Schritt bestünde in der Konzentration auf eine oder wenige Zielgruppen, sodass relativ homogene Kundenbedürfnisse bedient werden.

Wenn Sie als Vermögensverwalter an dieser Stelle zu der Schlussfolgerung kommen, dass die vorgestellten Maßnahmen zu theoretisch sind oder nicht zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell führen können, mögen Sie recht haben. Es gibt zwar Vermögensverwalter, die das fokussierte Geschäftsmodell erfolgreich betreiben, aber die Unternehmensstrategie ist nicht für jede Wettbewerbssituation und Zielgruppe geeignet. Zudem erfordert sie ein außerordentlich hohes Maß an Eigendisziplin.

Fusion

Eine Alternative zur Fokussierungsstrategie ist die Fusionierung. Mehrere kleinere Vermögensverwalter schließen sich zu einem größeren Vermögensverwalter zusammen. Dies hat den Vorteil, dass finanziell eine größere Basis vorhanden ist.

In der Praxis stellt eine solche Unternehmensstrategie die Fusionspartner vor einige Herausforderungen. Typischerweise kommen Organisationen mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen zusammen, die erst einmmal eine neue – für alle Beteiligten akzeptable – Arbeitsweise und Unternehmensstrategie finden müssen. Eine zweite Herausforderung besteht in der Tatsache, dass die kleineren Vermögensverwaltungen meistens keine Spezialisten für die Fachbereiche, die eine größere Vermögensverwaltung braucht, einbringen. Eine größere Vermögensverwaltung braucht Experten für Compliance, Revision, Risikomanagement, Kundenbuchhaltung, Finanzen und Informationstechnologie.

Somit stellt eine Fusion nicht die Lösung, sondern eine wichtige Voraussetzung dar, um anschließend eine Lösung entwickeln zu können.

Anschluss

Ein dritte Alternative besteht im Anschluss einer kleineren an eine größere Vermögensverwaltung. Wenn die größere Vermögensverwaltung bereits über eine zukunftsträchtige Infrastruktur verfügt, kann diese Lösung sehr sinnvoll sein.

Als neuer Juniorpartner hat der sich anschließende Vermögensverwalter zumeist keinen größeren Einfluss auf die Geschäftsstrategie und -kultur des größeren Hauses. Deswegen ist es entscheidend, dass der Kleinere sich vor der Entscheidung intensiv mit den Produkten, Strategien, der Kultur und der Geschäftsphilosophie des Größeren auseinandersetzt.

Partnerschaft

Wenn die Vermögensverwaltung ihre unternehmerische und investmenttechnische Freiheit weitestgehend beibehalten möchte, ist die Partnerschaft mit einem spezialisierten Finanzinstitut nach dem Prinzip der Arbeitsteilung eine veritable Möglichkeit. In der Partnerschaft ist der Vermögensverwalter mit der Akquisition, Beratung und Betreuung der Mandanten betraut, während sich das Finanzinstitut um den Betrieb kümmert.

Die bekannteste Variante eines solchen Modells ist das Haftungsdach. Allerdings kommt ein Haftungsdach für einen Vermögensverwalter in der Regel nicht in Frage. Der Grund ist, dass ein Haftungsdachpartner in dieser Konstellation selbst kein Vermögensverwalter mehr ist, sondern ein sogenannter vertragsgebundener Vermittler. Infolgedessen darf der Berater selbst keine Finanzportfolioverwaltung durchführen, sich nicht Vermögensverwalter nennen und auch nicht behaupten, dass die angebotenen Anlagestrategien seine Vermögensverwaltungsstrategien sind.

Aus diesem Grund erfreut sich das Sozietätsmodell einer zunehmenden Bekanntheit. Inm Sozietätsmodell ist der Berater selbst der Vermögensverwalter. Das Finanzinstitut stellt die komplette Infrastruktur und der Berater hat eine maximale investmenttechnische und unternehmerische Freiheit. Zudem wird ihm eine hochattraktive und transparente unternehmerische Vergütungsstruktur geboten, welche er gegebenenfalls mit einer eigenen Finanzplanungs- oder Family-Office-Gesellschaft kombinieren kann.

Schlussfolgerung

MiFID II macht die mittelständische Vermögensverwaltung nicht unmöglich, aber immer schwerer. In der Branche sind Freund und Feind sich darüber einig, dass die Regulierung unweigerlich zu größeren Einheiten führen wird.

Der kleinere Vermögensverwalter muss sich früher oder später für eine klare Unternehmensstrategie entscheiden, wobei es vielleicht noch mehr als die hier vorgestellten vier Varianten gibt. Ausschlaggebend wird sein, dass der Vermögensverwalter eine klare, zukunftsfähige Strategie hat, die maximale Effizienz und Effektivität ermöglicht. Nur so kann kleiner unter MiFID II auch feiner bleiben.

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