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Markthöchststände: Wie soll der Anleger reagieren?

Kein Homo oeconomicus

Zurzeit befinden sich die bekanntesten Marktindizes auf einem All-Time-High. Einige Faktoren spielen hierfür eine Rolle, nicht zuletzt die anhaltend positive konjunkturelle Entwicklung. Viele Anleger fragen sich nun, wie sie auf die Situation adäquat reagieren und welchen Nutzen sie daraus ziehen könnten.

Steigen die Börsenkurse in einer Phase des Hausse, lassen sich häufig bestimmte Phänomene beobachten. So bringen die Höchststände eine große Zahl Anleger ins Grübeln – sie fragen sich, welchen Vorteil sie für ihr Investment aus dem Boom ziehen können. Womöglich zeigen sie plötzlich ein Anlageverhalten, das weder ihrer Investmentstrategie, noch ihrer Risikobereitschaft entspricht. Dennoch erscheint der Kauf verführerisch: Vor allem, wenn wie aktuell viel Geld im Markt steckt und die Zinsen niedrig sind. Da aber immer mehr Menschen so denken und investieren, erreichen die Kurse irgendwann einen Peak. Einige Investoren verkaufen wieder, die Preise fallen, das Investment verliert an Wert. Den Anleger überkommt die Panik, denn plötzlich befindet er sich in einer Abwärtsspirale.

Wie konnte es so weit kommen? Warum weichen Anleger von ihrer Strategie ab, warum handeln sie offenkundig irrational? Eine Antwort hierauf versucht die sogenannte Behavioral Finance zu liefern. Dieser Zweig der Wirtschaftswissenschaften geht zwei essentiellen Fragen nach: Wie verhalten sich Menschen in einem Markt z.B. dem Finanzmarkt? Und wie sollten sie sich im besten Fall verhalten? In der Behavioral Finance versuchen Ökonomen und Verhaltensforscher daher herauszufinden, wie Anleger handeln, warum sie entsprechend handeln und welche Resultate sich daraus ergeben. Häufig genug lassen sich Menschen nämlich auch in der Finanzwelt von Emotionen und fehlerhaften Annahmen leiten – und sind kein idealtypischer Homo oeconomicus.

Der Ökonom Richard Thaler, 2017 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet, gilt als Pionier im Bereich der Behavioral Finance. Seiner Meinung nach handeln Menschen in der Ökonomie nicht rational. Stattdessen sind sie getrieben von Vorurteilen, Trägheit und Selbstüberschätzung. Auch neigen sie dazu, wichtige Entscheidungen hinauszuzögern. Daher warnt Thaler u.a. davor, dem Vehalten von Schwarmintelligenzen zu folgen.

Weshalb agieren Anleger irrational?

Laut den Erkenntnissen der Behavioral Finance gibt für irrationales Verhalten eine Reihe von Gründen. Zunächst glauben Menschen nicht selten, sie könnten Marktentwicklungen voraussehen bzw. sie denken, ein bestimmtes Ereignis müsse bald eintreten, obwohl dafür keine nachvollziehbaren Belege existieren. Dennoch geben sie sich der Illusion hin und treffen womöglich ungünstige Entscheidungen. Mitunter gehen Individuen aber auch davon aus, dass kürzlich aufgetretene Marktentwicklungen in Zukunft erneut eintreten werden. Dies kann für Anleger zu einer Jagd nach vergangenen Investment-Performances führen, obwohl eine Performance nie vorhergesagt werden kann. Laut den Ökonomen gilt daher: Die Vergangenheit kann Hinweise geben auf zukünftige Entwicklungen, ist aber nie eine Garantie.

Zudem neigen Menschen dazu, relevante Informationen unbewusst zu ignorieren. Stattdessen gefällt es ihnen, ihre eigene Meinung bestätigt finden, auch in der Finanzwelt. Wenn man beispielsweise von einem Investment zu sehr überzeugt ist, kann sich die eigene Wahrnehmung verzerren. Man ignoriert wesentliche Faktoren, die aber für die Investmententscheidung maßgeblich sind.

Auch ist es für Anleger oft verführerisch, einem gewissen Herdentrieb zu folgen: Sobald eine große Masse an Investoren ein bestimmtes Finanzprodukt kauft oder abstößt, tendieren kleine Anleger mitunter dazu, es ihnen gleichzutun.

Letztlich stellt auch die Angst vor Kapitalverlust eine wichtige Triebfeder dar: Der Mensch tendiert dazu, sich viel lebhafter an Börsenverluste als an Börsengewinne zu erinnern. Wichtig ist hierbei, sich der eigenen Risikobereitschaft zu vergewissern und das Portfolio entsprechend anzupassen.

Wie gegensteuern?

Wie also lässt sich irrationales Verhalten bei der Kapitalanlage vermeiden? Ökonomen und Marktbeobachter empfehlen in der Regel, nicht impulsiv zu handeln. Stattdessen ist Weitsicht gefragt, um nicht von den zuvor definierten Anlagezielen abzuweichen. Plötzliche Marktsprünge, der Rat von Freunden und Bekannten oder die Erfolge Anderer sollten keinen Einfluss auf das eigene Anlageverhalten haben.

Ein regelmäßiges Rebalancing des persönlichen Portfolios ist dabei ebenso wichtig wie die Überprüfung der momentanen Risikoklasse. Ist das gewünschte Risikoniveau weiterhin zutreffend oder hat sich das Risiko durch Impulskäufe schleichend erhöhen? Die Risikoklasse des Portfolios und damit der Anlagestrategie sollte dem Anleger ein gutes Gefühl geben, er soll ich sicher fühlen. Nur unter diesen Voraussetzungen lässt sich eine passende Anlagestrategie verfolgen und das Risiko-Rendite-Niveau halten. Eine gewinnbringende Anlage setzt in der Regel auf langfristige Erfolge, für die es Zeit und Geduld braucht. Kurzfristige Spekulationen mögen zwar mitunter verlockend sein, dienen aber in keinem Fall einem nachhaltigen, besonnenen Vermögensaufbau.

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