Große Unsicherheiten

Welche Folgen für die Wirtschaft?

In der Nacht von Sonntag auf Montag erklärte die FDP die Jamaika-Koalitionsverhandlungen mit Union und Grünen für gescheitert: Man habe laut Christian Lindner weder eine gemeinsame Vorstellung von der Modernisierung [des] Landes noch eine gemeinsame Vertrauensbasis entwickeln können. Weiter erklärte Lindner via Twitter: Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren. Damit enden die vierwöchigen Sondierungsgespräche zwischen Christdemokraten, FDP und Grünen ohne zielführendes Ergebnis. Auf die Bundesrepublik kommt nun eine lange Zeit der Unsicherheit zu, in der das Land mit einer lediglich geschäftsführenden Regierung dasteht. Ob es zu einer Minderheitsregierung, erneuten Wahl oder einer (eher unwahrscheinlichen) Neuauflage der Großen Koalition kommt, ist derzeit völlig offen.

Die nun folgende politische Hängepartie macht nicht zuletzt der Wirtschaft zu schaffen. Vertreter des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) zeigten sich enttäuscht über den Verhandlungsabbruch. Eine längere Zeit der Ungewissheit sei laut ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer Gift für die Wirtschaft. Die Konsequenz ist für viele Beobachter eindeutig: Ohne einen klaren politischen Kurs und ohne Regierung werden es Unternehmen in Deutschland schwer haben, ihre zukünftigen Schritte zu planen. Auf dem Aktienmarkt zeigten sich die Folgen der abgebrochenen Koalitionsgespräche schon jetzt: Mit einem Stand von 12.916 Punkten sackte der DAX am Montag um 0,6 Prozent gegenüber dem Freitag ab.

Brexit-Probleme

Einen weiteren Risikofaktor für die deutsche Wirtschaft stellen nach Meinung einiger Experten die Folgen des kommenden Brexit dar. Unternehmen in der EU ebenso wie britische Firmen fürchten größe logistische und bürokratische Hürden: So dürften Import und Export von Produkten oder Rohstoffen in Zukunft aufwendiger und unflexibler werden. In Deutschland wäre von diesem Szenario vor allem die Automobilindustrie betroffen: Kraftfahrzeuge sind nicht umsonst das bedeutendste deutsche Exportgut im Vereinigten Königreich.

Die Konsequenz für viele Unternehmen wäre, ihre Lieferungen aus Großbritannien auf kurz oder lang zu stoppen. Wie wahrscheinlich dieses Szenario ist, zeigt eine neue Studie des Chartered Institute of Procurement & Supply (CIPS), einer britischen Non-Profit-Organisation. Befragt wurden über 1.000 Logistik-Manager aus der EU und Großbritannien. Dabei zeigte sich, dass ganze 63 Prozent der EU-Firmen planen, Großbritannien zukünftig aus ihrer Lieferkette auszuklammern.

Ist günstig auch immer gut?

Schon seit einigen Jahren bieten Läden in Deutschland unter dem Motto Black Friday Rabatte für ihre Kunden an – online wie offline. Diese Form der Rabattschlacht, welche kommenden Freitag erneut stattfindet, stammt ursprünglich aus den USA. Es handelt sich dabei traditionell um den Tag nach Thanksgiving, einen freien Tag, den die Amerikaner gerne zum Weihnachtsgeschenkekauf nutzen. Der Einzelhandel reagierte auf dieses Verhalten und lockte mit günstigen Angeboten. In Europa etablierte sich der Black Friday vor allem über Online-Shops: Apple gilt hier als Vorreiter, und auch Amazon bietet seit einigen Jahren spezielle Rabatt-Events an.

Europaweit ist inzwischen auch der stationäre Handel auf den Trend aufgesprungen, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. In Deutschland profitieren vor allem große Kaufhäuser und Konzerne von Black-Friday-Angeboten. Kleinere Händler müssen hier in der Regel nachziehen, um ihre Kunden nicht zu verlieren. Dennoch stehen sie vor einem Problem: In der Schweiz beispielsweise setzen kleine Läden die Preise herunter, haben davon aber wirtschaftlich oft keinen direkten Vorteil.

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