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Deutsche Wertpapiertreuhand
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Versicherungslösungen in der Vermögensstrukturierung

Im Rahmen ihrer FinCampus-Initiative bietet die Deutsche Wertpapiertreuhand regelmäßig ein Forum zum strategischen Austausch unter Finanzdienstleistern.

Am 08. November begrüßte sie daher Herrn Thomas Bächer von Gatsby & White in Luxemburg, welcher in der Firmenzentrale in Herzogenaurach über das Thema Versicherungslösungen in der Vermögensstrukturierung referierte. Ein besonderer Schwerpunkt wurde hierbei auf Lebensversicherungen gelegt.

Zeitlicher Überblick

Zunächst stellte Herr Bächer die Historie der (fondsgebundenen) Lebensversicherung vor. Im Laufe der letzten zwölf Jahre änderten sich in diesem Bereich einige Aspekte: Während ab dem Jahr 2005 die Besteuerung der Erträge im Erlebensfall und der Todesfallschutz von besonderer Relevanz waren, rückten ab den 2010er Jahren eher Rechtsprechungen und die Regulatorik in den Fokus. Die Jahre 2016 und 2017 waren beispielsweise bestimmt durch EU-Richtlinien und Gesetzesänderungen. Im kommenden Jahr wird u.a. IDD (EU-Vermittlerrichtlinien) von großer Relevanz sein, ebenso eine vor der Bundestagswahl diskutierte mögliche Abschaffung oder Anhebung der Abgeltungsteuer durch die neue Bundesregierung.

Auch die Anforderungen an eine steuerliche Begünstigung durchliefen in der Bundesrepublik einen Wandel. Bis zum Jahr 2004 war das 5/12er Modell mit einer laufenden Beitragszahlung im Erlebensfall begünstigt, bis 2009 rückte die Einmalprämie bei nennenswerter Risikotragung in den Vordergrund. Auch heute noch ist der Einmalbeitrag mit einer Mindestlaufzeit von 12 Jahren im Erlebensfall begünstigt: Allerdings muss der Begünstigte mindestens 62 Jahre alt sein; auch darf es sich um keinen Versicherungsvertrag handeln, der sich z.B. durch Einfluss des Mandanten als vermögensverwaltender Versicherungsvertrag qualifiziert. Heute wie vor zwölf Jahren ist die Auszahlung bei Tod der versicherten Person einkommenssteuerfrei. Bei der lebzeitigen Besteuerung gilt seit 2009 entweder die Abgeltungsteuer oder der halbe persönliche Steuersatz auf den Differenzbetrag (Auszahlungsbetrag abzüglich geleisteter Prämien).

Im weiteren Verlauf des Vortrags ging Herr Bächer auf wichtige Gerichtsurteile und Gesetzesänderungen ein – etwa den Mindest-Todesfallschutz betreffend. Auch andere Situationen – beispielsweise der Zufluss von Erträgen aus einem Lebensversicherungsvertrag nach Änderung des Vertrages mit Festlegung eines späteren Fälligkeitszeitpunktes (Novation) – wurden angesprochen. Ebenfalls kamen Themen wie die Besteuerung von Versicherungen, Widerrufsmöglichkeiten und fondsgebundene Lebensversicherungen in Bezug auf das Investmentsteuergesetz zum Tragen.

Praxisnahe Beispiele

Nach einem kurzen Einschub, in dem Fragen zum zuvor besprochenen Abschnitt gestellt und beantwortet wurden, ging Herr Bächer auf spezifische Fallbeispiele ein. Exemplarisch nannte er lebensnahe Situationen, in denen Menschen eine maßgeschneiderte Lebensversicherung abschließen oder an ihre aktuelle Situation anpassen wollen. So etwa in einem Fall, in dem der Kunde die Lebensversicherung als Ergänzung zur Rente installiert: Hier wird ihm einerseits hohe Flexibilität geboten, während er sich andererseits einer einkommensteuerfreien Auszahlung an seine Nachkommen im Todesfall sicher sein kann.

Zwei weitere Beispiele gingen davon aus, dass bei der Auszahlung eine Generation übersprungen wird, etwa wenn ein Großvater seinen Enkel als Begünstigten einsetzt. Beim Tod des Großvaters ist der Enkel unwiderruflich Begünstigter, kann aber über den Vertrag und das betreffende Vermögen noch nicht selbst verfügen. Was geschieht nun, wenn der Großvater stirbt? In diesem Fall erhält der Vater des Enkels den Status des Versicherungsnehmers (versicherte Person war er bereits bei Abschluss) und tritt in alle Rechte und Pflichten des bestehenden Vertrages ein. Dies ermöglicht eine hohe Flexibilität, da der Vater nach dem Tod des Großvaters zum Nutzen des Enkels handeln und die Versicherung beispielsweise auflösen kann. Dennoch sind Komplikationen möglich: Bei einem schlechten Verhältnis von Großvater und Vater kann dieser jegliche Verfügung über das betreffende Vermögen bis zu seinem eigenen Tod für den Enkel blockieren.

Eine Lösung bietet hier der sogenannte Kontrollierte Übergang. Bei dieser auch Term Fix genannten Sonderform der Lebensversicherung wird die Auszahlung immer erst zu einem bestimmten festgelegten Termin fällig. Der Tod des Versicherten spielt dabei für die Feststellung eines Versicherungsfalls keine Rolle. Bei dieser Variante gibt es zwar auch einen Ersatzversicherungsnehmer, allerdings kann dieser weder die Auszahlung verhindern oder verzögern noch kann er die Begünstigung abändern. Abgesehen vom Großvater (zu Lebzeiten) kann niemand den Vertrag auflösen.

Möglichkeiten und Grenzen

Nach der Darstellung eines weiteren Szenarios, bei dem die Interessen des Versicherten in supranationalen Wirtschaftsräumen – bezüglich Wohn-, Arbeits- und Ruhestandsort sowie Nationalität – diskutiert wurden, kam Herr Bächer auf weitere Ansatzpunkte kurz zu sprechen. So wurden unter anderem wichtige Themen wie Transparenz und Steuerpflichten angesprochen.

Der letzte Teil des Vortrags beschäftigte sich mit möglichen Problemfällen im Bereich der Lebensversicherung. So erhalten manche Kunden aufgrund von hohem Alter oder Vorerkrankungen keine entsprechende Versicherung mehr, sodass auf Rentenversicherungen ausgewichen werden muss. Diskutiert wurden auch die Kostenstrukturen solcher Versicherungen, deren Kosten mit steigender Versicherungsprämienzahlung absinken.

Zusammenfassend beschäftige sich diese FinCampus-Veranstaltung also insbesondere mit Generationen- und Nachfolgeplanung sowie mit Vermögensplanung und -strukturierungen bei grenzüberschreitenden Lebenssituationen.

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