Wie die Börse auf die Wahl reagierte

Keine schreckhaften Reaktionen

Die gestrigen Wahlen zum Deutschen Bundestag hielten einige Überraschungen bereit. Sowohl Union als auch SPD fuhren historisch schlechte Ergebnisse ein: Beide Volksparteien verloren stark an Wählerstimmen – seit Gründung der Bundesrepublik waren die Werte noch nie so niedrig. Die Union kommt nach der vorläufigen Auszählung auf glatte 33 Prozent, die SPD liegt bei lediglich 20,5 Prozent. Damit kann Bundeskanzlerin Merkel ihr Amt zwar vier weitere Jahre ausüben, verliert aber die SPD als Koalitionspartner. Die SPD-Spitze hatte unmittelbar nach der Wahlniederlage angekündigt, künftig Oppositionsarbeit leisten zu wollen. Sieger des Wahlabends waren hingegen die kleineren Parteien: Alle konnten Prozentpunkte hinzugewinnen. Vor allem die FDP und die rechtspopulistische AfD – beide zuvor nicht im Bundestag vertreten – erhielten zweistellige Werte und werden damit ins Parlament einziehen.

Das Ergebnis der Bundestagswahl mag für viele Beobachter überraschend gewesen sein – vor allem in Bezug auf den Stimmverlust der Volksparteien und den Aufstieg der AfD zur drittstärksten Kraft. Den Deutschen Aktienindex allerdings tangierte dies kaum. Nach vorübergehenden leichten Verlusten kletterte der DAX sogar um 0,19 Prozent ins Plus und schloss bei 12.616 Punkten. Auch der Euro zeigte sich recht unbeeindruckt und sackte lediglich um einen halben Cent ab, was 1,1895 US-Dollar entspricht. Von Seiten der Großbanken befürwortete man einerseits die Fortführung der Merkel'schen Politik (Deutsche Bank), sah aber andererseits eine mögliche Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen kritisch (DekaBank, UBS).

Kaum Unternehmer im Bundestag

Nach der Neuverteilung der Sitze im Bundestag zeigte sich zudem, dass es immer weniger Unternehmer unter den Abgeordneten gibt. Laut aktuellen Hochrechnungen des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft (BVMW) werden sich nur noch 15 Selbständige unter den Parlamentariern befinden. Dies errechnete der Verband mit Blick auf die neuen Kandidatenlisten. Damit wird die Anzahl der unternehmerisch tätigen Volksvertreter weiter sinken – momentan liegt die Zahl bei 25 Personen. Zum Vergleich: Den aktuell 25 Selbständigen stehen 189 Abgeordnete mit Beamtenstatus gegenüber.

Es gibt also offenbar wenige Unternehmer, die eine Karriere in der Politik anstreben. Demgegenüber haben heute die führenden Unternehmer großer deutscher Konzerne politische Statements abgegeben und sich zur gestrigen Wahlentscheidung geäußert. Die Vorstandsvorsitzenden von Firmen wie Uniper, Volkswagen und Bayer ließen eine deutliche Tendenz erkennen: Zum einen wünsche man sich eine rasche Regierungsbildung, um Stabilität und Konstanz zu sichern. Zum anderen sei man bestürzt über den deutlichen Rechtsruck im Land und den Einzug der AfD in den Bundestag.

Nachholbedarf?

Eine neue Untersuchung befragte über 1.000 Deutsche zu ihrem Wissen rund um Geld und Wirtschaft. Zusätzlich wurden etwa 600 Finanzexperten hinzugezogen. Dabei zeigte sich, dass über die Hälfte der Umfrageteilnehmer ihr Finanzwissen als gut oder sehr gut einstufte, die Experten dem aber wiedersprachen. Die Bestnote gaben sie nur 5 Prozent ihrer Mitmenschen. Bei 16 Prozent sei das Finanz-Know-How sogar "ungenügend".

Experten wie Laien sind sich aber einig, dass weitergehende Schulungen in diesem Bereich notwendig sind. Beide sehen hier Unternehmen und Arbeitgeber gefragt: Diese sollen dafür sorgen, ihren Mitarbeitern ein besseres Verständnis der Finanzwelt zu vermitteln.

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