Marktperspektive August 2017: Wer bewegt sich?

Während zur Sommerferienzeit überall auf der Welt die Konjunkturdaten eine sonnige Zukunft andeuteten, ging es bei den Aktien leicht frustrierend zu. Eine Reihe von Gründen wurde in den letzten Wochen angeführt.

Die ungewisse Zukunft des Schuldnerlandes Venezuela und die nuklearen Ambitionen Nordkoreas sollen die Risikobereitschaft gesenkt haben. Die Gegner von Trump fanden inzwischen wieder Boden unter den Füßen und nutzen dies für wirkungsvolle, vor allem kulturpolitische Opposition. Diese lähmenden Grabenkämpfe in Amerika würden die Hoffnungen auf weitere positive Impulse für die Weltkonjunktur eintrüben, da für die sogenannten Trumponomics die Umsetzungswahrscheinlichkeit sinkt.

Weiterhin sei der starke Euro für den europäischen Export belastend. Trotz bester konjunktureller Lage gab es also in den vergangenen Wochen viele Begründungen für die karge Kost an den Finanzmärkten. Woran liegt das? Ist es der genannte Strauß an "Gründen" oder ist es ein Mangel an Orientierung, weil zu viele relevante Akteure sich bedeckt halten?

Was tun?

Nordkorea bewegt schon seit über 20 Jahren immer wieder die Finanzmärkte. Die Nervosität steigt bei solchen Episoden kurz an und fällt dann wieder ab. Üblicherweise wird darauf verwiesen, daß niemand so irrational sein kann, einen Krieg in Ostasien zu beginnen. Diese Argumente verbinden sich in der Regel mit Hinweisen, nicht überzureagieren oder die Nerven zu verlieren.

Möglicherweise ist es aber keine Frage der Psychologie, sondern eine grundsätzlich strategische. Will man mit einer Atommacht Nordkorea verhandeln oder will man mit einer Nicht-Atommacht Nordkorea verhandeln? Akzeptiert man ein vollständig nuklear bewaffnetes Nordkorea, dann ist die Wahrscheinlichkeit militärischer Auseinandersetzung wohl niedriger. Die Folge wären dann eher Proliferationsprobleme aufgrund eines devisenhungrigen Nordens und ein gigantisches Wettrüsten in Fernost.

Sollte das Pendel in die Richtung ausschlagen, daß man ein atomwaffenfreies Korea gemäß den ursprünglichen Verträgen von 1992 möchte, dann wären die Risiken nicht nur für die globalen Finanzmärkte tatsächlich sehr hoch. Die meisten Investoren und Anleger dürften bei diesen Sachverhalten wohl Laienbeobachter sein. Für den Außenstehenden bleibt es undurchsichtig, welchen Nuklearstatus welche Akteure akzeptieren und welche Karten gespielt werden.

Nach Jahren expansivstem Geldregime debattiert man schon länger über eine Rückkehr zu alten Regeln. Die amerikanische FED unternahm bereits erste Schritte, die anderen Zentralbanken könnten folgen. Allein in den letzten Wochen klang alles viel ungewisser. Die EZB will zur Zeit alles offenlassen, die FED scheint sich unklar zu sein. Ist es Vorsicht? Erst Ende Juni hatte Draghi mit seiner Rede bei der Konferenz im portugiesischen Sintra demonstriert, wie man – bestimmt unbeabsichtigt – mit eigentlich selbstverständlichen Hinweisen auf zukünftige Änderungen den Aktien- und Kreditmärkten das Wasser abgraben kann und über den Eurokurs die Exportwirtschaft bedrängt.

Dem damaligen FED-Gouverneur Bernanke erging es 2013 ähnlich. Die Folgen von Bernankes simplen Wahrheiten (We could take a step down in our pace of purchases) waren für die Märkte gravierend und nachhaltig. Draghi dürfte sich daher bewußt sein, daß wenige Sätze genügen, um alles zunichte zu machen, was in seinen Augen mit zwei Billionen Euro Zentralbankgeld geschaffen wurde. Die einschlägigen Veranstaltungen (Jackson Hole Ende August, EZB-Treffen Anfang September) verliefen daher sehr geräuschlos. Möglicherweise ist es einfach zu attraktiv, jetzt die Früchte der expansiven Geldpolitik zu ernten und bloß nichts zu riskieren, wenn gerade mal alles läuft und die Inflation keinen Druck erzeugt.

Schutzmimikry als Hoffnung?

Inwieweit sich mit ruhiger Präsenz zu verstecken eine geeignete Handlungsmaxime ist, wird sich auf den verschiedenen Politikfeldern zeigen müssen. Die Akteure sind nicht zu beneiden und es bleibt ihnen zu wünschen, daß das Vortäuschen von Leblosigkeit vor Freßfeinden schützt. Da die Karten nicht auf dem Tisch liegen, dürfte der Anleger perspektivisch mit einem eher holprigen Parcours rechnen dürfen. Die Wiederkunft einer Zeit mit statistisch schön extrapolierbaren und damit leicht handelbaren Trends könnte noch länger auf sich warten lassen. Wäre dies so, dann wären Ansätze im Vorteil, die Assetklassen kombinieren.

Weiterlesen:


Montag bis Freitag von 9 bis 22 Uhr stehen wir Ihnen persönlich und diskret zur Verfügung.
Rufen Sie uns an oder senden Sie uns eine E-Mail, unter .
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.