Banken: Mehr Vertriebsprovisionen um fehlende Zinsmarge wettzumachen

Die Niedrigzinsen belasten die Banken derzeit erheblich und werden das in den nächsten Jahren weiterhin tun. Was bedeutet das für ihre Kunden?

Weniger Gewinn in den nächsten Jahren

Vor kurzem habe ich darauf hingewiesen, dass die Probleme der Banken nicht ausgestanden sind, sondern meiner Meinung nach noch lange andauern werden. Während die fundamentalen Probleme der Banken hausgemacht sind, stellt das derzeitige Niedrigzinsumfeld die Banken vor eine zusätzliche Herausforderung.

Die Deutsche Bundesbank und die BaFin haben haben in einer gemeinsamen Umfrage die Banken gefragt, welche Folgen ein andauerndes Niedrigzinsumfeld für sie haben würde. Die Antworten der Banken beinhalten eine durchschnittliche Senkung ihrer Jahresüberschüsse um 9 Prozent. Gleichzeitig erwarten die Banken ein Bilanzwachstum, was zu einer Senkung der Gesamtkapitalrendite um 16 Prozent führen würde. Ein weitere Senkung der Zinsen würde zu einer Senkung der Gesamtkapitalrendite um 60 % Prozent führen.

Zwar planen die deutschen Kreditinstitute wieder etwas optimistischer, allerdings bedeutet dieses Ergebnis nur, dass sich die Ertragslage – ausgehend von einem niedrigeren Niveau – weniger schnell verschlechtert als noch vor zwei Jahren angenommen, sagt Andreas Dombret, der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand der Bundesbank. Die durch niedrige Zinsen verursachte Durststrecke ist längst noch nicht überstanden. Raimund Röseler, BaFin-Exekutivdirektor für Bankenaufsicht, betont dabei, dass die Banken in der Regel genug Eigenkapital haben: Die gute Kapitalausstattung der meisten Institute hilft dabei, die Effekte aus dem Niedrigzinsumfeld abzufedern.

Mehr Wertpapiervertrieb

Interessant ist, dass in diese Ergebnisse der Banken bereits eine Steigerung der Provisionseinnahmen einkalkuliert ist. Und diese Steigerung hat es in sich. In ihren Planungen gehen die Banken davon aus, dass ihre Zinsmarge um 0,27 Prozentpunkte sinkt. Gleichzeitig planen die Banken eine Steigerung ihrer Provisionseinnahmen um 0,24 Prozentpunkte.

Der Löwenanteil der Provisionen bei Banken kommt in der Regel aus dem Wertpapiergeschäft. Das bedeutet, dass die Banken eine massive Steigerung ihrer Wertpapiergeschäfte einplanen. Wenn man dazu bedenkt, dass die meisten Banken einem provisionsgetriebenen Vertrieb nachgehen, kann man auch einfach ableiten, was mit den Kunden der Banken passiert. Auf die Kunden kommt ein massiver Wertpapiervertrieb zu. Der Vertriebsdruck steigt weiter.

Zweckoptimismus

Ich bin skeptisch, ob diese Planung über alle betroffene Banken hinweg in dem gewünschten Ausmaß funktionieren wird. Denn die Banken versuchen seit vielen Jahren ihre Provisionen zu steigern. Der Erfolg war sehr bescheiden, obwohl das Umfeld nicht viel besser hätte sein können.

Bei der Beurteilung der Ergebnisse ist es sinnvoll, sich vor Augen zu führen, dass die Planungen nicht von unabhängiger Seite durchgeführt worden, sondern dass es sich um die eigenen Planungen der Banken handelt. Wie viel Zweckoptimismus hierbei zum Tragen kam, lässt sich schwer einschätzen. Dass die Not hoch ist und die Banken dementsprechend einiges an Optimismus eingebaut haben, ist jedoch wahrscheinlich. Denn mittlerweile ist die Hälfte der Banken offen für Fusionen. Und ich kenne kaum Bankvorstände, die freiwillig fusionieren.

Sehen Sie hier die Präsentation der Deutschen Bundesbank und der BaFin mit den Ergebnissen der Umfrage.


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