Deutsches Wachstum schafft Anreize

Dresden zieht die Industrie an

Da die Wirtschaft in Deutschland boomt, werden auch die neuen Bundesländer als Wirtschaftsstandort immer attraktiver. Sachsens Landeshauptstadt Dresden konnte nun zwei für die Region bedeutende Deals abschließen, welche voraussichtlich hunderte neuer Arbeitsplätze schaffen werden. Der Tabakkonzern Philip Morris etwa plant in Dresden ein neues Werk, in dem Komponenten für E-Zigaretten hergestellt werden sollen. Das US-amerikanische Unternehmen will hierfür 320 Millionen US-Dollar investieren. Interessanterweise rekurriert Dresden mit dem Deal auf seine Stadtgeschichte: Schon um 1900 galt der Standort als bedeutender Umschlagplatz für Tabakwaren.

Auch die Robert Bosch GmbH will 2019 in Dresden einen neuen Standort errichten, der geschätzt etwa eine Milliarde Euro kosten wird. Hier soll offenbar verstärkt auf Forschung gesetzt werden. Bosch, bekannt als internationaler Automobilzulieferer und Hersteller von Industrie- und Gebrauchsgütern, wird damit ca. 700 neue Arbeitsplätze schaffen.

Der aktuelle Boom zeigt sich jedoch auch branchen- und bundeslandübergreifend. Im sogenannten Medical Valley haben sich rund um Erlangen über 180 Unternehmen im Bereich Medizintechnik angesiedelt. Der jährliche Umsatz wird auf fünf Milliarden Euro geschätzt.

Dass sich Deutschland zurzeit in einem Hoch befindet, zeigten gestern außerdem die aktuellen Aktienhöchststände: Der Deutsche Aktienindex schlitterte knapp an der 13.000er Marke vorbei und erreicht einen neuen Beststand von 12.951 Punkten. Trotz entsprechender Investitionslust an den Märkten und der guten Konjunkturlage sollte man dennoch bedenken, dass sich in einer derartigen Situation leicht eine wirtschaftliche Überhitzung einstellen kann.

Effiziente Staaten

Die positive Wirtschaftslage gibt Politik und Experten die seltene Gelegenheit, über Themen abseits der üblichen Agenda zu diskutieren. Während die Grünen und (zum Teil auch) die SPD eine Vermögenssteuer in Betracht ziehen, gehen Wirtschaftsforscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) noch weiter: Sie fordern eine Vermögenssteuer von 0,0 Prozent. Was zunächst sinnfrei erscheint, ist in Wahrheit Datenerhebung im großen Stil – und zwar durch die Hintertür. Auch wenn der deutsche Staat so keine neuen Einnahmen generiere, argumentieren die Experten, erhielte er doch immerhin Informationen über seine vermögenden Bürger. Jeder Bundesbürger müsste durch die Null-Prozent-Steuer seinen gesamten Besitz offenlegen. Höhere Staatseinnahmen könne man anschließend beispielsweise über eine Finanztransaktionssteuer odere eine erhöhte Abgeltungssteuer schaffen.

Während in Deutschland über zweifelhafte Schein-Steuern diskutiert wird, wagt der indische Staat am anderen Ende der Welt tatsächliche Reformen – allerdings mit logistischen Problemen. So plant Indiens Regierung die Einführung der Mehrwertsteuer für Anfang nächsten Monats mit einer Spannweite von 5 bis 28 Prozent, je nach Produkt. Das Problem: Für die Durchführung der Steuer fehlt wichtige Infrastruktur, 20 Prozent der Firmen sind noch nicht registriert und die großen Textilhändler zeigen Widerstand. Aus diesem Grund hat die Staatsführung nun beschlossen, das Eintreiben der fälligen Beiträge bis auf September zu verschieben. Bereits im letzten Jahr hatte die Durchführung einer Währungsreform in Indien für Chaos gesorgt, da mit einem Schlag über 80 Prozent des vorhandenen Bargelds wertlos geworden war.

Alternatives Bezahlen

Gestern beschäftigten wir uns mit alternativen Sparmöglichkeien (Weiterlesen) – heute geht es um neue Formen des Bezahlens. Ein Bekleidungshersteller sorgte im Netz kürzlich für Furore, als er in seinem Online-Shop eine ungewöhnliche Bezahlmethode anbot: Anstatt mit Geld konnte man ausgewählte Kleidungsstücke durch Facebook-Likes erwerben. Die Aktion ist als Marketing-Kampagne zu verstehen, bei der die Kunden möglichst schnell die benötigten Likes sammeln sollen. So generiert der Hersteller mediale Aufmerksamkeit – und erfindet nebenbei eine neue digitale Zahlungsart. Das mediale Echo der Nutzer wird damit zur Währung, ihr soziales Kapital in Form von Facebook-Followern ermöglicht den Konsum. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

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