Wohin steuern wir?

Lob und Kritik für SPD-Steuerkonzept

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat gestern das Steuerkonzept seiner Partei vorgestellt. Hierbei bezieht er sich abermals auf den von ihm so betitelten Gerechtigkeitswahlkampf. Schulz plant, vor allem Geringverdiener und den Mittelstand steuerlich zu entlasten. Der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer soll angehoben werden, mittlere Einkommen würden gleichzeitig entlastet. Außerdem will die SPD die sogenannte Reichensteuer erhöhen, während der Solidaritätszuschlag für untere und mittlere Einkommen zukünftig entfallen soll. Außerdem will Schulz Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher sprach sich für das SPD-Steuerkonzept aus. Die Mitte sieht er steuerlich entlastet, während Top-Verdiener nun stärker in die Pflicht genommen würden.

Deutliche Kritik gab es hingegen vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Dieser bemängelte im Deutschlandfunk unter anderem die geplante Mehrbelastung des Gewerbes.

Bauen aus den falschen Gründen?

Eine gestern veröffentlichte Studie über die Wohnsituation in Deutschland offenbarte, dass in dörflichen Regionen immer mehr Einfamilienhäuser gebaut werden, während bereits vorhandene Wohnungen leer stehen (Weiterlesen). Wie kommt es, dass offenbar immer mehr Menschen am Wohnungsmarkt vorbei bauen – also gerade dort Wohnraum schaffen, wo er eigentlich schon längst vorhanden ist? Steckt dahinter der völlig legitime Wunsch nach den individuell gestalteten eigenen vier Wänden? Handelt es sich also um eine langfristige Konsumentscheidung?

Viele Hausbauer legitimieren ihr Vorgehen indes mit Verweis auf ihre Altersvorsorge. Das neue Eigenheim sei mehr als bloßer Luxus, vielmehr eine Investition in die Zukunft. Es diene als Geldanlage, als Absicherung. In der bisherigen Berichterstattung über den ländlichen Bau-Boom wurden diese möglichen Motive der Bauherren ausgeklammert. Es wurde nicht darüber diskutiert, aus welchen Gründen sie handeln.

Wie viel Selbsttäuschung aber steckt in dem Verweis auf die Altersvorsorge? Was nützt ein Haus als Vorsorge, wenn es stetigem Preisverfall unterworfen ist? Auf dem Land, wo Immobilien mancherorts leer stehen, ist die Wertsteigerung eines Neubaus in näherer Zukunft eher unwahrscheinlich.

Doch auch in den Ballungsgebieten werden Wohnungen gebaut, für die es keinen Bedarf gibt. Das ist umso frappierender, da in den Städten die Preise weiter steigen, in Deutschland wie im Ausland. In Frankfurt werden daher mehr Bauprojekte in Angriff genommen, um der Wohnungsnot entgegenzuwirken. Der Erfolg scheint aber eher gering zu sein: Die meisten Menschen in den Städten suchen Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen, während in Frankfurt vor allem Großwohnungen gebaut werden.

Eine ähnliche Wohnungsmarktsituation findet sich in Australiens größter Metropole Sydney. Aus Furcht vor einem Zusammenbruch des Immobilienmarktes stufte die Ratingagentur Moody's kürzlich vier große australische Banken herab. Eine der folgen ist, dass nun noch weniger Appartements in australischen Städten gebaut werden.

Sparen auf dem Kiez

In den Kneipen St. Paulis erlebt eine totgeglaubt Institution eine kleine Renaissance. Die sogenannten Sparclubs waren in den sechziger Jahren beliebt, gerieten aber vor einiger Zeit in Vergessenheit. Das Konzept sah ein langfristiges Sparkonzept für Kneipengänger vor. Dabei wurde in der Bar eine Reihe Metallkästen aufgestellt, die die Besucher regelmäßig mit Kleingeld und Scheinen befüllten. Am Ende jedes Monats wurde das Geld eingesammelt und gewinnbringend angelegt. Zu Weihnachten erfolgte die Auszahlung, ein Teil der Dividenden wurde in ein gemeinsames Gelage investiert.

Eben jene Art des gemeinsamen Sparens scheint nun wiederbelebt. Immer mehr Eckkneipen in St. Pauli bieten die Sparschränke an – und zelebrieren dabei eine gesellige, ungezwungene Art der Geldanlage. Was auf den ersten Blick skurril wirken mag, beruht auf einem gängigen Investitionskonzept: Geld wird über einen langen Zeitraum diszipliniert angelegt, Marktschwankungen sind kaum von Bedeutung. Das Vorgehen scheint bedacht, und ist vielleicht gerade deswegen wieder in Mode.

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