Werden Negativzinsen für Bankkunden bald salonfähig?

Vor wenigen Jahren noch ein Einzelfall, wird die Weitergabe von Negativzinsen an Privatkunden bei Volks- und Raiffeisenbanken immer beliebter. Jetzt trifft es auch die kleineren Vermögen.

Die EZB erhöht den Druck

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) macht deutschen Kreditinstituten zu schaffen. Vor allem der seit einiger Zeit herrschende Negativzins verursacht den Bankhäusern hohe Kosten: So verlangt die EZB einen Strafzins von 0,4 Prozent, wenn Banken überschüssige Liquidität dort über Nacht zwischenlagern. Einige Banken sind daher seit letztem Jahr dazu übergegangen, diese Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.

Im September 2016 sorgte das Vorgehen der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee für Aufsehen. Ihre Privatkunden mussten mit Negativzinsen rechnen, wenn sie Summen von über 100.000 Euro auf ihren Giro- oder Tagesgeldkonten lagerten. Ein entsprechendes Vorgehen war zuvor nur bei Firmen und institutionellen Anlegern üblich. Wer nun als Privatkunde sein Tagesgeldkonto aufstockte, sah sich einer jährlichen Zahlung von 400 Euro gegenüber, die er seiner Bank pro 100.000 Euro leisten musste.

Strafzahlungen werden weitergereicht

Seit Ende letzten Jahres gehen immer mehr Volks- und Raiffeisenbanken diesen Weg: Die Negativzinsen der EZB wurden systematisch auf die Kunden übertragen; inzwischen sind es dreizehn Filialen der Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland. Zudem zeichnet sich die Tendenz ab, kleinere und mittlere Vermögen zu belasten. Für Einlagen zwischen 100.000 und 500.000 Euro müssen Kunden mit einer jährlichen Negativverzinsung von 0,3 bis 0,5 Prozent rechnen.

Noch niedriger setzt die Volksbank Reutlingen in Baden-Württemberg an: Ab 10.000 Euro auf Tagesgeld- und Girokonten beträgt der Minuszins hier 0,5 Prozent – undurchsichtig auf dem Girokonto als jährliches Verwahr-Entgelt berechnet.

Ein Trend zeichnet sich ab

Die Negativzins-Politik der Banken richtet sich längst nicht mehr ausschließlich an Unternehmen. Privatkunden sollten sich darauf einstellen, zukünftig für bestimmte Leistungen ihrer Bank draufzuzahlen. Die Weitergabe der EZB-Strafzinsen ist dabei nur eine Möglichkeit von vielen. Schon seit einiger Zeit müssen Kunden der Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken Zusatzgebühren zahlen, wenn sie in bestimmten Filialen fernab der Ballungsräume Geld abheben wollen.

Da Geldinstitute immer weniger Chancen haben, mit dem Kapital ihrer Kunden positiv zu wirtschaften, müssen sie dazu übergehen, zuvor kostenfreie Leistungen zu monetarisieren. Die Deutsche Bank, die Postbank und einige Sparkassen haben beispielsweise das kostenlose Girokonto abgeschafft. Zudem erhöhte sich bei einigen Anbietern der Beitrag für Kreditkarten oder Kontoführung.

Bezüglich der aktuellen Negativzinsen müssen Bankkunden dennoch nicht in Panik verfallen. Bisher sind Strafzinsen für Privatkunden noch die Ausnahme und betreffen vor allem ruhendes Kapital von Großanlegern. Dennoch ist ein Trend auszumachen, der das Ende vieler zuvor kostenloser Bankleistungen ankündigt. So könnten auch kleinere und mittlere Vermögen privater Bankkunden zukünftig von den Minuszinsen getroffen werden.


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