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Marktperspektive Februar 2017: Rosa Brille oder schlechte Laune?

Unbeeindruckt von der großen politischen Verunsicherung entwickelten sich im Februar die Märkte leicht positiv mit augenscheinlich großer Gelassenheit. Die Volatilität am Aktienmarkt erreichte im Monatsverlauf sogar extrem niedrige Werte.

Warum sind die Bewertungen so stabil, wenn es doch nach allgemeiner Auffassung um die Welt so schlecht bestellt sein soll? Gibt es erkennbare Gründe für die Gelassenheit?

Rosa Brille?

Für eine gelassene Sicht auf die Risiken spricht die offensichtlich gute weltweite Konjunktur. Gute Wirtschaftsaussichten bewirken bei Marktteilnehmern einen positiven Filter bei der Risikowahrnehmung. Wie alle anderen Wahrnehmungen auch, sind ebenso die Risikowahrnehmungen viel selbstreflexiver, als man oft denkt.

So nehmen Wahrnehmungen insbesondere auf andere Wahrnehmungen Bezug, reflektieren aber nicht unbedingt eine unmittelbare Wirklichkeit. Die Wahrnehmung einer guten Wirtschaftslage kann so konkurrierende Realität oder Strukturprobleme wegblenden. Gute Konjunkturaussichten puffern politische Kalamitäten daher gut weg. An Märkten äußert sich dieses Phänomen in geringen Schwankungsbändern, also in niedrigen Volatilitäten. Der Markt sieht bei seiner Risikoverarbeitung folglich gelassen aus.

Schlechte Laune?

Augenscheinliche Gelassenheit kann sich auch aus schlechter Laune ergeben. Diese wirkt sich an Märkten nicht wie im sonstigen sozialen Leben in Ärgerlichkeit oder Gereiztheit aus, sondern zeigt sich eher in einer Verweigerung von Euphorie. Während der ideale Nährboden für Euphorie attraktive Märkte sind, regiert an unattraktiven Märkten die schlechte Laune im beschriebenen Sinn. In einem kurzen Überblick läßt sich nun fragen, ob die aktuellen Geschehnisse eher Attraktivität und Euphorie wachsen lassen oder inwieweit resignierter Liebesentzug verständlich wäre.

  • In den USA gibt es vage Hoffnungen auf interessantere Märkte dank Regulierungsabbau. In Europa überholt manchmal sogar die eine Regulierungswelle die andere, was unternehmerischem Handeln nicht mehr Attraktivität gibt.
  • Bisher gab es keine Zweifel, daß Amerika sich selbst führt und den Europäern im Zweifel aus der Patsche hilft. Dies könnte sich nun ändern. Die weitgehend hilflose, unverständige und bisweilen alberne europäische Reaktion auf Trump ließ jedoch nirgendwo in Europa entweder den Wunsch oder eine finanzielle oder personelle Bereitschaft erkennen, notfalls die Geschicke in die eigene Hand zu nehmen. Dies erhöht nicht den Glauben an langfristig sichere Investitionen in dieser Region.
  • Europa verliert mit Großbritannien einen bedeutenden Finanzplatz. Alle weiteren in Europa anstehenden Wahlen dürften nicht zu einer attraktiven Weiterentwicklung Europas führen, sondern bestenfalls zu einer Bestätigung des status quo, ansonsten zu großen Politikrisiken.
  • Grundsätzlich könnte der Euro natürlich zerbrechen. Der dazu erforderliche politische Wille müßte jedoch gewaltig sein. Wahrscheinlich bleibt es immer einfacher, sich durchzuwursteln und sei es unter Aufgabe aller Prinzipien. Ohne Prinzipien gibt es aber keine zukunftsweisenden Ideen – und ohne diese Ideen keine kapitalanziehende Inspiration.
  • Schließlich ließe sich aus manchen Gründen eine politisch gedeckte Insolvenzverschleppung bei gewissen europäischen Banken und Staaten unterstellen. Die Wirkungsweise der EZB und des Zahlungssystems Target2 wird in der Literatur auch als implizite Umverteilung in Europa interpretiert. In allen diesen Fällen würde es sich um eine verschwiegene Interessenpolitik zugunsten der Einen und zulasten der Anderen handeln. Der politische Umgang mit diesen Themen sieht nachvollziehbar wie ein Schweigekartell aus. Dies erhöht nicht die Attraktivität der betroffenen Märkte. Umgekehrt – sollten sich die Vorwürfe irgendwann einmal in politische Faktoren verwandeln lassen – kämen hohe Risiken auf den Markt zu.

Das beste Szenario

Diese kurze Auflistung legt die Meinung nahe, daß für Europa selbst ein unbefriedigender status quo schon das beste aller Szenarien darstellt. Alle anderen Szenarien als dieser beste Fall sehen ungünstig bis katastrophal aus. Dies bildet keinen Nährboden für Euphorie. Wahrscheinlicher ist eine abwartende Resignation. Äußerlich kann dies zu geringen Volatilitäten führen. Während der Markt in Amerika gelassen dank guter Wirtschaftsdaten aussieht, könnte der Markt in Europa schlechte Laune haben. In Europa wäre dies eine Übellaunigkeit auf hohem Niveau und sollte zu denken geben, falls die Konjunkturdaten einmal ins Negative drehen.

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