Die Historie der Partnerschaft in der Vermögensverwaltung

Obwohl sie eine jahrhundertelange Tradition hat, ist die Partnerschaft als Organisationsform in der Vermögensverwaltung heutzutage fast in Vergessenheit geraten.

Dabei ist die Partnerschaft die erste Organisationsform in der Historie des Bankings, welche die Eigentumsverhältnisse einer Bank über den alleinigen Besitz eines vermögenden Herrschers oder Kaufmannes hinaus gehoben hat. Hierdurch erreichte die Handlungsfähigkeiten der Banken eine völlig neue Qualität.

Die überragende historische Bedeutung dieses Keims des Bankenwachstums liegt in der Demokratisierung des Zugangs zu finanziellen Mitteln, welche später in der Geschichte eine wichtige Voraussetzung für die Befreiung der normalen Bürger aus der finanziellen Abhängigkeit von der herrschenden Klasse sein sollte.

Giovanni di Bicci de' Medici

Italien – Geburtsland der Banken

Die Historie der Partnerschaften im Banking fängt im Italien des vierzehnten Jahrhunderts an. Wenngleich er nicht der erste Bankier ist, der diese Form der Zusammenarbeit wählt, ist Giovanni di Bicci de' Medici (siehe Bild) der erfolgreichste und dadurch auch der prominenteste Pionier im Bankwesen seiner Zeit.

Von seinem Onkel aus Venedig wird er gebeten, die Niederlassung dessen Bank in Rom zu leiten. Giovanni di Bicci de' Medici ist insbesondere in Geschäften mit dem Vatikan sehr erfolgreich. Dieser Erfolg versetzt ihn später in die Lage, in seiner Heimatstadt Florenz eine eigene Bank zu gründen. Um die Bank handlungsfähig zu machen, entschließt auch er sich, Partner in seine Bank aufzunehmen. Hieraus entsteht die Bank der berühmten Medici Familie.

Die Entwicklung der Merchant Banks

Die ersten Banken in Italien wurden vor allem von erfolgreichen Getreide-, Stoff- und Gewürzhändlern (Merchants) gegründet. Aus diesem Grund wurden sie später Merchant Banks genannt. Sie nahmen nicht nur Einlagen entgegen und vergaben Kredite, sondern waren auch sehr aktiv im Währungshandel und in unternehmerischen Beteiligungen. Für ihre Mandanten betrieben sie die Vermögensverwaltung in umfassender Form.

Das Geschäftsmodell der Partnerschaft entwickelte sich sehr erfolgreich. Es wurde in vielen europäischen Ländern übernommen. So fand es seinen Weg von Italien nach Deutschland, Holland und England. Von Europa aus eroberte das Bankmodell auch die USA. Viele bekannte Bankhäuser entstanden so, wie Barings, Rothschild, Kleinwort Benson, Schroders, Hope & Co., Morgan Grenfell & Co., Kuhn, Loeb & Co., Brown Brothers Harriman & Co., Samuel Montagu & Co. und H. J. Merck & Co. Bis ins 20. Jahrhundert waren die meisten Merchant Banks noch Partnerschaften (Partnerships), später verloren viele ihre Unabhängigkeit und gingen in größeren Banken auf.

Florenz – Geburtsstätte der Partnerschaften im Bankwesen

Das Verschwinden der Partnerschaften

Durch den massiven Anstieg des Kapitalbedarfs der Banken war es den Partnern in den Banken in der Regel nicht mehr möglich, das Wachstum und die erforderliche Solvabilität ihrer Banken selbst zu finanzieren. Um weitere Finanzierungsquellen anzuzapfen, öffneten die Banken sich dem Kapitalmarkt oder verkauften die Anteile ihrer Bank an größere Banken, die bereits börsennotiert waren. Infolgedessen verschwand die Partnerschaft als Organisationsform für Banken nach und nach.

Die Rückkehr der Partnerschaften

Die Partnerschaft ermöglichte zum ersten Mal in der Historie die Bündelung von Ressourcen wie Kapital, Infrastruktur, Fähigkeiten und Information. Hierdurch wurden Organisationen handlungsfähiger und erfolgreicher. Das gilt auch heute noch. In der Regel sind Banken mit Aktivitäten in den Bereichen Einlagen, Kredit und Investment Banking zu kapitalintensiv um von Partnerschaften betrieben zu werden.

In jenen Bereichen des Finanzwesens, die kein Bilanzgeschäft betreiben und dadurch im Vergleich zu Großbanken weniger kapitalintensiv sind, gewinnt die Partnerschaft jedoch wieder an Attraktivität. Der Hauptgrund hierfür ist die Identifizierung der handelnden Personen mit dem Unternehmen und ihren Kunden. Die Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn ihre Kunden zufrieden sind. Hierdurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen Kunden und Partnern, die zu einem nachhaltigen Unternehmertum führt. Jeder Partner spürt täglich am eigenen Leibe, dass seine Existenzberechtigung in der Zufriedenheit seiner Kunden liegt.

Partnerschaften in der Vermögensverwaltung

Die meisten Vermögensverwaltungen in Deutschland sind von einem einzelnen oder wenigen geschäftsführenden Gesellschaftern gegründet worden. Durch die zunehmende Regulierung und die gestiegenen Anforderungen an Infrastruktur setzt eine Tendenz zur Zusammenarbeit ein. Neben den "zufälligen" Partnerschaften, die aus einem mehr oder weniger zufälligen Zusammenfinden von Partnern entstehen, ist in der Branche ein großer Bedarf an systematischen, größeren Partnerschaften vorhanden.

Viele erfahrene und anspruchsvolle Banker werden ihre Bank aufgrund derer Geschäftspolitik in den nächsten Jahren verlassen wollen, um wieder im Interesse ihrer Mandanten arbeiten zu können. Vermögensverwalter werden sich zusammentun, um die erforderliche Infrastruktur gemeinsam auszubauen. Und vermögende Familien werden ein eigenes Family Office gründen, den Aufwand und das Corporate Governance dafür allerdings mit anderen teilen wollen.

Die moderne Sozietät

Die Existenzberechtigung in der Vermögensverwaltung liegt in der Vertretung der finanziellen Interessen des Mandanten. Eine nachhaltige Zusammenarbeit von Vermögensverwaltern und Mandanten braucht eine gleichzeitig persönliche und effektive Organisationsform. Infolgedessen entsteht die systematische Partnerschaft – die Vermögensverwaltersozietät –, so wie die Deutsche Wertpapiertreuhand eine ist.

Wenn Sie über eine Vermögensverwaltersozietät nachdenken sollten, ist es gut zu wissen, dass Sie nicht die erste Person sind. In der Vermögensverwaltung hat die Partnerschaft eine Tradition von mehr als siebenhundert Jahren.

Dank Giovanni di Bicci de' Medici und Partner.

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